Gebäudesanierung
Energiewende droht Mieten hochzutreiben

Das Herzstück der Energiewende könnte für Mieter fatal werden: Zwar sinkt durch Sanierungen der Heizbedarf. Doch weil das Dämmen nicht vorankommt, sollen Mietrechte gekappt werden - mit Folgen für die Mietpreise.
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BerlinDie schöne neue Energiewelt sieht für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre schwarz-gelbe Koalition so aus: Die Deutschen dämmen ihre Wände und tauschen zugige Fenster aus, die Energiekosten sinken um bis zu 75 Prozent. Und der Mieter zahlt zwar höhere Kaltmieten, kommt aber bei der Warmmiete auf plus/minus null. Die Realität könnte anders aussehen. Der Mieterbund berichtet von zunehmenden Zwangsumzügen, weil die Kosten für energetische Gebäudesanierungen einseitig auf die Mieter umgelegt würden.

„Den Mietern ist nicht geholfen, wenn sie die Heizkosten bezahlen können, aber dafür die Mieten nicht mehr“, sagte Ulrich Ropertz vom Mieterbund. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Naturschutzbund (NABU) und dem Naturschutzring (DNR) unterstützt die Mieterlobby die von der Regierung gewünschte Sanierungsoffensive. Aber sie fürchtet eine massive Schieflage bei der Kostenverteilung, zumal die Mieten in Städten wie Berlin ohnehin stark steigen.

Ein Beispiel, welchen Einfluss die hohen Energiekosten für Mieter haben: Der Verbrauch in Wohnhäusern ging 2011 dank des milden Winters zwar um 18 Prozent zurück. Die Heizkosten für ölgeheizte Häuser kletterten aber wegen eines starken Ölpreisanstiegs trotzdem, für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Heizöl betrugen sie dem Mieterbund zufolge durchschnittlich 890 Euro (+40 Euro im Vergleich zu 2010).

65 Prozent der Fassaden gelten in Deutschland als ungedämmt und rund 60 Prozent der Fenster als zu schlecht isoliert. Die Heiz- und Energiekosten seien seit 1995 um 173 Prozent gestiegen, die Kaltmieten hingegen nur um 24 Prozent, verweist Helmut Röscheisen, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings, auf ein stark gestiegenes Energie-Armutsrisiko. Denn die Heizkosten sind das eine: Nach Schätzungen des Bundes der Energieverbraucher sind über eine halbe Million Bürger inzwischen von Stromabschaltungen betroffen.

Die Bundesregierung versucht nun händeringend, beim Energiesparen voranzukommen. Aber sie schafft es bisher nicht, die Sanierungsrate bei Gebäuden wie geplant von ein auf zwei Prozent pro Jahr zu verdoppeln, das wären laut NABU rund 70 Millionen Quadratmeter pro Jahr. 40 Prozent der Energie wird in Gebäuden verbraucht. Weniger Verbrauch senkt den Bedarf an Kraftwerken, Stromnetzen und Windparks.

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  • Dann können Sie ja eine dieser kleinen Windkraftanlagen in Ihrem Garten aufstellen lassen. "Die neue Generation der Windräder ist 140 Meter hoch, die können sie auch in Gebieten aufstellen, die bislang für Windkraft kaum nutzbar waren." ... (Unser grüner Umweltminister Franz Untersteller in der Wirtschaftswoche). Nebenbei bemerkt auch ein Verarschung erster Güte, die 140m sind lediglich die Nabenhöhe dieser Anlagen, dazu kommen noch 80-100 m Flügel!

    Und wenn Sie mir dann noch erklären wie diese Zufallsenergie realistischerweise gespeichert und Lastspitzen abgefahren werden sollen bin ich zufrieden. Und kommen Sie mir nicht mit der bösen Energielobby die neue umweltfreundliche Gaskraftwerke verhindert um ihren Profit zu schützen. Das wird kein vernünftig wirtschaftendes Unternehmen tun, da die Laufzeiten und damit Einnahmen unkalkulierbar sind. Die Alternative-Energieen-Lobby kassiert und andere sollen die Suppe (in Form exorbitant hoher Energiepreise und Subventionen) auslöffeln. Das ist die gleiche Geschichte wie mit dem Mietern. Der Vermieter soll investieren und die Mieter erfreuen sich an modernen Wohnungen zu günstigen Warmmieten. Solch "nebensächlichen" Dinge wie Rohstoff- und Energieverbrauch von Herstellung, Transport und Montage der Dämmung, ihrer Entsorgung (muss vom übrigen Bauschutt getrennt entsorgt werden) und Einflüssen auf das Mikroklima werden auch gerne unter den Tisch gekehrt.

  • Dieser ganze Energiesparfetischismus wurde von Rot/Grün erst iniziiert, indem sie die Energiekosten durch Ökosteuer etc. horrend in die Höhe getrieben haben. Für jeden findigen Vermieter von Objekten in halbwegs ordentlichen Lagen ist das die perfekte Ausrede, um die Mieten hochzutreiben. Neue Heizung rein, neue Fenster, neue Dämmung und die Miete gleich plus 50%. Die Hälfte der Leute ziehen aus und man kann die Wohnungen zur nochmal höheren Marktmiete neu vermieten. Danach wird das Haus teuer verkauft (energetisch saniert bringt mehr ein) und in 10 Jahren stehen die neuen Eigentümer mit einer algenverschmutzten Fassade und einer schimmligen Wohnung dar, nachdem die Hälfte der Leute zu wenig lüftet. Mit diesem null-acht-fünfzehn Geschäftsmodell machen viele Investoren, die vermutlich im Traum nicht daran gedacht hätten, die Grünen zu wählen, nun dank der Grünen Millionen. Rot-Grün ist für die breite Masse der Bevölkerung die wahrlich asoziale Regierungskoalition. Die ganz unten interessiert es nicht, weil sie immer ihre Kohlen vom Staat kriegen. Und die ganz oben ärgern sich zwar, müssen deswegen aber auch nicht im sozialen Fahrstuhl nach unten fahren. Richtig verarscht werden die normalen Leute mit normalen Einkommen, die sich die Wohnungen nach Sanierung nicht mehr leisten können, in den Speckgürtel ziehen müssen und dankenswerterweise dafür 1,7€ für einen Liter Super zahlen müssen...

  • Als Ergänzung zum Kommentar von Dr. Ermecke...Es sind weniger die mehr, oder minder staatlichen Energiekonzerne die sich gegen eine dezentrale Oekostromwirtschaft wehren als der Restverstand.

    Sachlich gesehen ist eine es nunmal sehr, sehr suboptimal mit extrem teuren Zufallsstromeinspeisern eine dezentrale Stromversorgung errichten zu wollen.

    Vandale

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