Gebäudesanierung
Wie die Regierung Hausbesitzer belastet

Nach dem Willen der Bundesregierung müssen Gebäude energieeffizient saniert werden. Auch wenn der Zwang zur Sanierung vom Tisch ist, fürchten viele Eigentümer von Häusern und Wohnung hohe Kosten. Womit Immobilienbesitzer rechnen müssen.
  • 10

BERLIN. Ganz so schlimm wie erwartet soll es nicht kommen – erleichtert reagierten die Vertreter der Immobilienwirtschaft. Die im Energiekonzept der Bundesregierung festgelegten Anforderungen an die energetische Gebäudemodernisierung soll nun wohl doch nicht so streng umgesetzt werden wie ursprünglich geplant.

„Das ist ein großer Schritt in Richtung Realität“, sagt Jens-Ulrich Kießling, Vorsitzender der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI), die auch die beiden großen Vermieterverbände GdW und BFW vertritt.

Gestern hatten sich die Fraktionen von Union und FDP auf umfangreiche Änderungen des Energiekonzepts der Bundesregierung verständigt. „So wie es aussieht, ist der Zwang zur Sanierung vom Tisch“, erklärt ein Sprecher der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund. Für eine endgültige Beurteilung müsse aber die Entscheidung des Bundeskabinetts am kommenden Dienstag abgewartet werden.

80 Prozent weniger CO2-Ausstoß angestrebt

Nach den jüngsten Änderungen ist nicht mehr vom umstrittenen Nullemissionsstandard die Rede. Weiter angestrebt wird eine Reduzierung des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes (CO2) beim Gebäudebestand bis 2050 um 80 Prozent. Dies sei „immer noch sehr ambitioniert“, sagt Kießling.

Tatsächlich müsste dafür die Sanierungsquote deutlich erhöht werden. Nach Angaben der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena) werden derzeit jährlich zwischen 0,9 und 1,3 Prozent aller Wohngebäude energetisch modernisiert: Laut Dena wäre eine Quote von 2,5 Prozent nötig.

Seite 1:

Wie die Regierung Hausbesitzer belastet

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Gebäudesanierung: Wie die Regierung Hausbesitzer belastet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, soo geht es den Ländern, die sowohl CO2 reduzieren wollen und gleichzeitig auf Kohle- und Gaskraftwerke setzten (Wind und Solaranlagen produzieren bekanntlich nur 1/3 der Zeit, wenn das Wetter "mitspielt"): Man muss sich stark einschränken! Der Strom wird nach einigen Schätzungen bald 30 cent pro Kilowatt kosten, d.h. es wird kalt im Winter und heiß im Sommer, es gibt noch mehr Fahrradfahrer (Elektoautos werden unbezahlbar), und einfach alles was mit Energie zusammenhängt wird teurer.

    Dabei gibt es wirklich "schlaue" Länder (die nicht einfach nur sagen sie wollen schlau sein) wie Frankreich, dort kommt 80% des Stroms aus Atomkraft, und der Strom kostet nur 10 cent pro Kilowatt, und das dauerhaft, denn weder CO2-Steuern noch Erdgaspreise haben Einfluß darauf. Widerstand aus der bevölkerung gibt es dort praktisch nicht, man ist technisch orientiert (und nicht "grün"). Ach und der berüchtigte "Atommüll"... der wird in Frankreich in einem einzigen Gebäude gelagert, das etwa die Größe einer Turnhalle hat, und das ist noch nicht mal voll.

    So sind die Unterschiede zwischen "dummen" Ländern und "schlauen" Ländern.

  • Die roten Parteien haben offenkundig nichts anderes zu tun, als ins Privateigentum hinein zu regieren. Gäbe es überzeugende wirtschaftliche Argumente für die energetische Sanierung, so wären die Eigentümer wohl die Ersten, die entschlossen handeln würden. Milchmädchenrechnungen schrecken eher ab. Statt des Hineinregierens in das Privateigentum sollten die berliner Funktionsklugen dafür sorgen, dass billige Energie aus dem Ausland auch billig beim Endverbraucher ankommt. Auch der Preisvorteil importierter baustoffe und Ausrüstungen zur energetischen Sanierung sollte beim Endverbraucher ungeschmälert ankommen. Die verbreitete Marktzerrüttung infolge wilden, steuersubventionierten Neubaus und gleichzeitig expodierende betriebskosten (Fremdkosten) belasten das Eigentum schwer. Folge: Unverzichtbare Grundmieteinnahmen werden undurchsetzbar. Auch auf gestiegenen instandhaltungskosten infolge der jüngsten Mehrwertsteuererhöhung bleiben Vermieter deshalb meist sitzen. Die Mehrwertsteuererhöhung mindert das budget für instandhaltung und energetische Sanierung direkt und unmittelbar. Die einseitige belastung des Eigentums mit Abgaben und beiträgen, die auf wissentlich falsche Wertsteigerungsbehauptung gestützt sind, gehört zu den ungestraften Verbrechen unserer Zeit. Mancherorts gehen die vermeintlichen Wertsteigerungen längst mit einem Verfall der Marktpreise einher. Die wirtschaftliche Fehlsteuerung dieses - mitunter unvermeidlichen - Paradoxons würde vermieden, wenn das Privateigentum mit den beiträgen und Abgaben Miteigentum erwerben könnte, statt den Kollektivismus zu stärken zu müssen.

  • Wenn wir die vielen Milliarden, die wir bis jetzt sinnlos in die Photovoltaik gesteckt haben, z. b. in Form von investitionsanreizen in die energetische Gebäudesanierung gesteckt hätten, hätten wir die Hälfte des Weges zum CO2-freien Haus schon hinter uns und wirklich etwas für die Umwelt getan.

    Von den aufs Auto fixierten Umweltschützern wird ja gerne ignoriert, dass in den Städten ein grosser Teil der Feinstaubbelastung aus dem Hausbrand stammt. Da enteignet man dann lieber die besitzer von wenige Jahre alten Dieselautos ohne Russfilter, auch wenn dieses der Umwelt keinen messbaren Vorteil bringt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%