Geldanlage: Offene Immobilienfonds als Milliardengrab

Geldanlage
Offene Immobilienfonds als Milliardengrab

50 Jahre lang waren offene Immobilienfonds eine sichere Anlage. Das änderte sich vor dreieinhalb Jahren - seitdem wurden sechs Fonds abgewickelt. Dabei ging viel Geld verloren. Und der Alptraum ist noch nicht zu Ende.
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DüsseldorfEs fing harmlos an. Am 27. Oktober 2008, einem Montag, meldete Kanam, man werde zunächst für ein Vierteljahr keine Anteile des offenen Immobilienfonds US-Grundinvest zurücknehmen. Zu viele Anleger hätten jüngst ihre Anteile gegen Geld tauschen wollen. Nun sei die Kasse leer. Wie vom Gesetz vorgesehen, wurde der Fonds eingefroren.

Das erschreckte niemand. Zwar herrschte Unruhe an den Finanzmärkten wegen der Pleite der Investmentbank Lehmann. Doch der Fonds war als einziger in Dollar geführter Kleinanlegerfonds ein Exot und mit rund 610 Millionen Dollar im Branchenvergleich klein. Dass die Anleger gerade aus diesem Fonds ausstiegen, schien clever, denn sie nahmen satte Währungsgewinne mit.

Doch am nächsten Tag ging es Schlag auf Schlag. Vier Tage später, am Freitag, waren neun Fonds für Privatinvestoren und weitere Fonds für Großinvestoren dicht. Mehr als 30 Milliarden Euro von Hunderttausenden Anlegern steckten fest – fast 40 Prozent des Markts. Es gab Fonds, die später wieder öffneten und erneut schließen mussten, nachdem die Bundesregierung die Anleger mit fragwürdigen Reformideen verunsichert hatte.

Fakt ist heute: Über den exotischen US-Grundinvest hinaus werden sechs Kleinanlegerfonds aufgelöst, weil ihre Manager auch nach zwei Jahren Kältestarre nicht genug Geld durch Immobilienverkäufe einsammelten, um wieder Anleger auszahlen zu können. Die Beteiligten haben Milliarden verloren.

Für die Fonds SEB Immoinvest und CS Euroreal tickt die Uhr

Für zwei Dickschiffe der Branche mit jeweils mehr als sechs Milliarden Euro Volumen, den SEB Immoinvest und den CS Euroreal, muss die Geschäftsleitung bis zum 5. beziehungsweise zum 18. Mai entscheiden, ob die Fonds öffnen oder auch aufgelöst werden. Die Fondsanbieter verbreiten auf Anfrage Durchhalteparolen. „Wir arbeiten unverändert an einer nachhaltigen Öffnung des Fonds“, teilte eine Sprecherin der SEB mit. Öffnen möchte auch Karl-Heinz Heuß, Geschäftsführer von Credit Suisse Asset Management, der Verwalterin des CS Euroreal.

Kommentare zu " Geldanlage: Offene Immobilienfonds als Milliardengrab"

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  • Ich frage mich nur, wieso kaufen nicht Lebensversicherer geziel diese Fonds ein und wieso schlißen sich die Fonds nicht zusammen. Offene Fonds bekommen Geld rein und müssten Immobilien Kaufen, während andere Verkaufen müssen, weil Anleger ja offene statt geschlossene Fonds haben wollen.
    Ein Unding zur Unzeit !
    Normalerweise müssten bei dieser Zinslandschaft und den berechtigten Zeifeln an festverzinslichen Papieren von überschuldeten € und $-Staaten ( und deren Währungen ), die Anleger massenhaft in Sachwerte und Immobilienfonds einsteigen. Aber das war ja schon immer so, dass die Antizykliker die Gewinner waren und nicht diejenigen, die aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen.
    Eine vernünftige Berichterstattung über die Vorteile und die inneren Werte eines Immobilienfonds wäre wünschenswert.
    Es wäre schaden, wenn die Massenhysterie weiter geschürt wird mit der Folge, dass eine solch erfolgreiche Anlageklaase vor die Hund geht !

    Alex Quint, Vermögensberater, DIES IST KEINE ANLAGEEMPFEHLUNG NACH DEM WPHG SONDERN EINE PERSÖNLICHE EINSCHÄTZUNG.

  • Diese pauschale Schwarzmalerei einer Liquidierung eines offene Immobilienfonds ist ein Armutszeugnis von redaktioneller Arbeit. Der Morgan Stanley P2 und Degi Europa hatten bereits kurz nach der Schließung erkennen lassen, dass die Immobilien zu hoch bewertet wurden. Daher ergaben sich nicht nur durch die Verkäufe Verluste sondern aufgrund von Fehleinwertungen. Wer die einzelnen Berichte verfolgt wird bei diesen Fonds auf besondere Umstände stoßen. Darüberhinaus entscheidet immer noch die Lage der Immobilien, die Qualität der Immobilien und der Vermietungsstand der Immobilien eines Fonds über die potenziellen Verkaufserfolge. Positiv ist hier zum Beispiel der Kanam US Grundinvest zu nennen. Dieser hat nach Liquidierungsbekanntgabe wesentliche Wertzuwächse gegenüber den Fondswert generiert, da die Veräußerungen über Buchwert erfolgen konnten. Der Börsenkurs war damit viel zu gering.

    Der SEB Immoinvest und der CS EUroreal sind lange bekannt für die gute Qualität des Immobilienbestandes und für die sorgfälltige Einwertung der Immobilien. Daher passt ein Vergleich mit den oben genannten Fonds bei weitem nicht. Zudem ist der Kernmarkt des SEB Immoinvest Deutschland.

    Wie gesagt der Artikel ist viel zu unsachlich. Schade hier so etwas zu lesen. Vor einem Monat stand hier noch ein sachlicherer Artikel über den SEB Immoinvest.

  • Warum werden diese Fonds nicht in REITS umgewandelt statt sie zwangsweise abzuwickeln?

    Die Anteile wären wieder handelbar und der Fonds ware vor Mittelabflüssen geschützt. Notfalls könnte man auch einige der Fonds zusammenlegen.

    Die Assetklasse "offene Immobilienfonds" wird m.E. auch durch gesetzl. Änderungen nicht mehr zu retten sein.

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