Geldanlage
US-Immobilienkäufer wollen Risikokredite

Sie galten als Mitauslöser der Finanzkrise – variabel verzinste Immobilienhypotheken. Doch die US-Hauspreise sind derzeit so fast hoch wie vor den Zeiten des Crashs. Da wollen die Käufer bei den Zinsen sparen.
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Jung Lim wagt etwas. Der 38-jährige Professor an der University of California zieht aus seiner drei-Zimmer-Wohnung in Los Angeles in ein neues Haus. Fünf Zimmer hat das Prachtstück. Kosten: 1,2 Millionen US-Dollar. Finanzieren möchte Jung Lim das über eine variabel verzinste Hypothek. Sie ist rund ein Prozentpunkt billiger als die fest verzinste Alternative. Für Lim ist das Geld, das er spart, genug, um das Risiko hinzunehmen.
Trotzdem: „Wenn ich eine über 30 Jahre laufende Festzins-Hypothek zu demselben Zinssatz wie bei der variablen Hypothek bekommen hätte, würde ich mich viel wohler fühlen”, sagt er. „Aber ich hoffe, dass ich in fünf Jahren oder früher refinanzieren kann.”

Mit seiner Hoffnung steht Jung Lim nicht allein da. Er gehört zu einer wachsenden Schar von Hauskäufern, die auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt auf variable Zinsfinanzierung setzen. Gemeint sind Kredite, bei denen der Käufer nur für die ersten fünf oder zehn Jahren einen festgelegten Zins zahlt. Danach können die Zinsen steigen. Wer sich für eine variabel verzinste Hypothek entscheidet, geht also eine Wette auf sinkende Zinsen und steigende Immobilienpreise ein.
Im Moment sieht es so aus, als würde sich die Wette wieder lohnen. Zuletzt waren die Hauspreise in den USA so stark angestiegen wie seit dem Immobilien-Boom 2006 nicht mehr. Allein im zweiten Quartal kletterte der Wert von Häusern im Durchschnitt um rund 2,4 Prozent, zeigen Daten des Immobilienvermittlers Zillow. Die Verkäufe von neuen Häusern stiegen laut US-Wirtschaftsministerium im Juni auf das höchste Niveau in fünf Jahren.

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Fest verzinste Hypotheken sind vielen zu teuer

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  • Es gibt in den USA feste Kreditraten,für 30 Jahre und mehr-dann ist das Haus in der Regel abbezahlt und flexible Kreditraten,da sind nur die ersten Jahre(3-5 Jahre) fest,die weiteren Jahre richten sich dann nach
    dem aktuellem US-Leitzins.Einfach mal auf US-Immobilienseiten gehen,da sehen Sie es.
    Zur Zeit ist der Zins für flexible Zinsen sehr günstig und deshalb schließen viele diesen Zins ab.Sie wetten darauf,dass Bernanke und Co.weiterhin die Märkte mit billigem Geld fluten,die QE´s unbegrenzt fortsetzen und somit auch zukünftig die Zinsen für Baukredite niedrig halten.Gleichzeitig sorgt der Anstieg der Immobilienpreise für einen "natürlichen" Sog aus Bauspekulanten und Häuslebauern im Immobiliensegment,denn wenn der Marktwert viel schneller steigt als der Hypothekenzins, liegt in der Differenz aus beiden der Gewinn des Häuslebauers oder Spekulanten,je nachdem.Der hier vorgestellte Herr wettet also einerseits auf weiter niedrige Hypothekenzinsen in der Folge und andererseits darauf,dass sein-noch nicht abbezahltes Haus-weiter im Marktwert steigt,so dass er es nötigenfalls sogar mit Gewinn weiterverkaufen kann und andereseits auf weiterhin niedrige Zinsen nach Ablauf der Zinsbindungsfrist,hier 5 Jahre.

  • „Aber ich hoffe, dass ich in fünf Jahren oder früher refinanzieren kann.”

    Der nächste Crash steht vor der Tür.

    Allerdings, ob heute, morgen oder erst in paar Jahren - das kann leider niemand sagen.

  • Und wo liegt der Unterschied zu Deutschland? Auch hier werden die meisten Baudarlehen mit einem Festzins für einen bestimmten Zinsabschnitt (5, 10, 15 oder mehr Jahre) abgeschlossen und nach Ablauf dieser Zinsbindungsfrist biete das Kreditinstitut eine Verlängerung zu einem dann festzulegenden Zins an.

    Ich gebe meinem Vorkommentator "rangedoc" Recht, wenn er fragt, wie ein variabler Zins für 5 oder 10 Jahre festgelegt sein soll. Aber vielleicht ist das in den USA ja ein üblicher Sprachgebrauch und die Redakion des HB hat diese einfach übernommen, dann nachdenken und nachfragen scheint in der Onlineredation nicht mehr erforderlich zu sein.

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