Geschlossene Immobilienfonds
Schlammschlacht bei Fondsanbieter

Ein Immobilienfonds-Anbieter soll ein dubioses Geschäftsmodell betrieben haben. Um den Vorwurf zu entkräften, geht die Firma gegen Ex-Mitarbeiter vor. Wissenschaftler sollen Whistleblower entlarven.
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DüsseldorfAuf der Internetseite präsentiert sich das Immobilien- und Beteiligungsunternehmen Fairvesta im besten Licht. Die Erfolgsgeschichte sei beeindruckend, liest man da. „Mittlerweile hat Fairvesta das Vertrauen von über 13.000 Anlegern gewinnen können und über 800 Millionen Euro Assets under Management – ausschließlich schulden- und lastenfreie Immobilien“, schreibt das Unternehmen.

Hinter den Kulissen brodelt es aber gewaltig. Ein Bericht der WirtschaftsWoche, die im gleichen Verlag wie das Handelsblatt erscheint, warf den Verdacht auf ein dubioses Geschäftsmodell auf. Das Unternehmen wehrt sich dies. Dabei geht Fairvesta gegen die eigene, ehemalige Mitarbeiter vor.

In einer aktuellen Pressemitteilung erklärt das Unternehmen, dass der Ursprung aller Vorwürfe „anonym veröffentlichte Falschbehauptungen im Internet“ seien. Fairvesta habe eine Kölner Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet. Damit nicht genug: Das Unternehmen habe zusätzlich „einen anerkannten Sprachwissenschaftler beauftragt, die Inhalte und Formulierungen mit Textproben ehemaliger Mitarbeiter zu vergleichen, um Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gegen den oder die zunächst unbekannten Täter durchzusetzen.“

Die Recherchen der Linguisten verliefen laut Fairvesta erfolgreich. „Die Analyse von Hunderten von Seiten ist eindeutig“,  schreibt Jan Olaf Hansen, Leiter Marketing & PR bei Fairvesta. Laut eines noch nicht rechtskräftigen Urteils soll der ehemalige Presssprecher Michael Oehme nachteilige Texte ins Netz gestellt haben. „Die Vorwürfe sind aberwitzig, meine Rechtsanwältin hat bereits Berufung eingereicht“, sagt Michael Oehme, der für die Schweizer Kommunikationsberatung CapitalPR arbeitet.

Weitere ehemalige Mitarbeiter von Fairvesta müssen ebenfalls mit juristischem Gegenwind rechnen. Laut Fairvesta wird gegen eine ehemalige Mitarbeiterin ermittelt. „Fairvesta kann belegen, dass diese Person Zugang zu vertraulichen Unterlagen hatte und diese über Monate hinweg an Außenstehende Dritte und einen Mitbewerber sowie die Presse weitergeleitet hat“, schreibt Hansen. Nach der Kündigung der Mitarbeiterin seien nach seinen Schilderungen „Dokumente ins Internet gelangt“. „Die so erschaffene angebliche „Story“ wurde so dann unter anderem gerade den Medien besonders aufbereitet und „mundgerecht“ angeboten“, schreibt Hansen.

Eine solche Hatz auf Ex-Mitarbeiter, bei der Sprachwissenschaftler angebliche Whistleblower entlarven sollen, gehört nicht nur in der Fondsbranche kaum zum Tagesgeschäft. Fairvesta wehrt sich trotzdem gegen den Vorwurf, Kritiker „mundtot“ zu machen. Das Unternehmen gehe „juristisch einwandfrei – gegen rechtswidrige und illegale Machenschaften vor.“  

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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