Gewerbeflächen
Vermarktung am Berliner Großflughafen hinkt

Im Jahre 2011 soll der Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) endlich seinen Betrieb aufnehmen. Fast zwei Jahrzehnte nach dem Planungsstart 1992 könnte der Traum vom Hauptstadt-Airport damit Wirklichkeit werden und Investoren in die chronisch klamme Hauptstadt und das Brandenburger Umland locken. Doch die Vermarktung der Gewerbeflächen rund um BBI kommt nur langsam in Schwung.

HB BERLIN. Nach Angaben der Wirtschaftsförderungsgesellschaften der beiden Länder wird die heiße Phase erst drei Jahre vor Inbetriebnahme erwartet. Bisher äußert man sich optimistisch über erste Gespräche mit potenziellen Investoren. Aber: Auch wenn Berlin touristisch und politisch bedeutend ist, so mangelt es der Hauptstadt doch an Großunternehmen und Konzernzentralen, die den Flughafen beleben könnten.

Den Startschuss für die Umfeldvermarktung markierte im Februar das erste Treffen des von Berlin und Brandenburg gebildeten Lenkungsausschusses. Wichtigster Punkt auf der Tagesordnung: die Vorstellung des Ansiedlungsteams der Wirtschaftsförderungsgesellschaften – Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) und Berlin Partner -, das ab dem Sommer zur Anlaufstelle für Investoren werden soll. Ursprünglich hatte sich die vom Land Brandenburg und privaten Investoren gegründete Berlin-Brandenburg Area Development Company um das Standortmarketing kümmern sollen, es aber nicht geschafft, Berlin und die Flughafengesellschaft mit ins Boot zu holen.

Die Schwierigkeiten, eine gemeinsame Linie zu finden, sind symptomatisch für die Entstehungsgeschichte des BBI. Neben den Widerständen der Flughafengegner, der darin gipfelte, dass das Bundesverwaltungsgericht 2005 einen zeitweiligen Baustopp verhängte, prägen die gescheiterten Privatisierungsversuche das Bild vom Großflughafen. Die Investoren, das Bauunternehmen Hochtief und der Immobilienkonzern IVG, stiegen 2003 nach sechs Jahren aus, weil sie sich mit der öffentlichen Hand nicht über die Risikoverteilung einigen konnten. Die öffentliche Hand baut seither in Eigenregie.

Am konkretesten sind die Pläne für die Flächen direkt im und am Flughafen fortgeschritten, die im Besitz der Flughafengesellschaft sind. Zum einen soll das 16 Hektar große "Midfield" zwischen Start- und Landebahnen verschiedene Hotels, Gastronomie, ein Kongresszentrum, aber auch Parkhäuser beherbergen. "Zurzeit führen wir Gespräche und sind zuversichtlich, dass wir 2008 zu den entsprechenden Abschlüssen kommen", sagt Ralf Kunkel, Sprecher des BBI. Darüber hinaus seien im 109 Hektar großen Business Park Berlin, nordöstlich des heutigen Flughafens, "vielfältige Nutzungen möglich: von Büros über Hotels bis hin zu großflächiger Industrie". Aktuell läuft das Bebauungsplanverfahren, das im dritten Quartal abgeschlossen sein soll.

Weniger konkret sind die Pläne für die Flächen im größeren Umkreis. Das liegt auch daran, dass die Wirtschaftsförderer bisher keinen Überblick über die zur Verfügung stehenden Gebiete haben. Der scheidende Geschäftsführer von Berlin Partner, Roland Engels, sieht dies gelassen: "Wir sind noch gut vier Jahre vor der Eröffnung, damit sind wir im Zeitplan und nicht unter Zeitdruck." Ohnehin setze man zunächst auf die "Entwicklung der bestehenden Gebiete, wie etwa den Wissenschaftspark Adlershof", sagt Engels.

Bei der Vermarktung will sich Berlin auf drei Kompetenzfelder konzentrieren: Life Science, Kommunikation und Mobilität. Daneben erwarte man die Ansiedlung von flughafenaffinem Gewerbe. Engels: "Diese Unternehmen werden zum Teil von den bisherigen Standorten Tempelhof und Tegel nach Schönefeld wechseln, aber auch völlig neu entwickelt werden." Auch Brandenburg verspricht sich viel vom BBI: "In einem Umkreis von 30 Autominuten rund um den Flughafen rechnen wir mit 40 000 bis 60 000 neuen Arbeitsplätzen", sagt Detlef Stronk, Vorsitzender der Geschäftsführung der ZAB.

Einen Nachteil aber hat BBI: das gerichtlich verhängte Nachtflugverbot. Zwar sei Schönefeld nicht der einzige stadtnahe Flughafen ohne Nachtverkehr, dennoch gebe es zeitsensible Bereiche der Logistik, sagt Engels, "da wird man mit einem unterbrochenen Flugverkehr nicht konkurrieren können".


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