Gewerbeimmobilien
Immobilien-Investoren meiden Deutschland

Trotz der Finanzkrise werden Investoren in diesem Jahr für Milliardenbeträge Gewerbeimmobilien in Westeuropa erwerben. Vor allem in Großbritannien werden sie ihre Chance suchen, denn das schwache Pfund begünstigt ausländische Käufer. Deutschland wird aus dem Kapitalstrom allerdings nur ein Rinnsal abbekommen - noch sind die Preise zu hoch.

FRANKFURT. "Objekte im Gesamtwert von mehr als 50 Mrd. Euro dürften in 2009 zwischen Gibraltar und dem Nordkap den Besitzer wechseln", prognostiziert Tony Horrel, Leiter Kapitalmärkte Europa bei der Beratungsgesellschaft Jones Lang Lasalle (JLL).

Das nötige Kapital stellen vor allem institutionelle Investoren. Sie pumpen derzeit hohe Beträge in neue Recovery Fonds, die den Preisverfall an den Immobilienmärkten nutzen wollen. Allein die US-Beteiligungsgesellschaft Dune Capital konnte zu Jahresbeginn für seinen neuen Fonds binnen Wochen 1,25 Mrd. Dollar (912,4 Mio. Euro) einsammeln.

Deutschland wird aus diesem Kapitalstrom allerdings nur ein Rinnsal abbekommen. Weil die Immobilienpreise in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien deutlich stärker gefallen sind, erwarten Experten, dass Investoren ihr Geld vor allem in diese Länder tragen. "Vor allem das britische Königreich erscheint vielen potentiellen Käufern zunehmend interessanter", sagt Michael Haddock, Researchdirektor beim internationalen Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE).

Denn Gewerbeimmobilien auf der Insel weisen nach dem Zusammenbruch des dortigen Marktes auf dem gegenwärtigen Preisniveau mit Anfangsrenditen von bis zu sieben Prozent mit die höchsten Ertragschancen in Westeuropa auf, haben die CBRE-Experten errechnet. Lediglich in Irlands Hauptstadt Dublin werden Bürotürme und Einzelhandelsobjekte mit Anfangsrenditen von bis zu 7,5 Prozent derzeit noch günstiger angeboten als im Vereinigten Königreich. Darüber hinaus spreche nach Meinung vieler Investoren noch ein weiteres Argument für britische Immobilien, sagt Haddock: "Nach dem Kursverfall des britischen Pfunds spekulieren manche Käufer langfristig zudem auf Währungsgewinne."

Hier zu Lande hingegen hat die Preiskorrektur gerade erst begonnen. "In Deutschland verlangen Verkäufer für vergleichbare Gebäude noch bis zu drei Jahresmieten mehr als in Großbritannien", sagt Helge Scheunemann, Chefresearcher Deutschland bei JLL. Das bestätigen auch jüngste CBRE-Daten. Danach wurden zu Jahresbeginn selbst in der von der Finanzkrise besonders stark betroffenen Bankenmetropole Frankfurt Bürotürme für rund 18,5 Jahresmieten angeboten - womit Käufer auf eine Anfangsrendite von lediglich 5,4 Prozent kämen. Hingegen waren selbst an dem von den Kapitalmarktturbulenzen bislang vergleichsweise wenig gebeutelten Pariser Markt Top-Büroimmobilien für nur 17,39 Jahresmieten zu haben - was einer Anfangsrendite von immerhin 5,75 Prozent entspricht.

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