Gewerbeimmobilien
In den USA steigt die Zahl fauler Kredite

Die Preise für US-Gewerbeimmobilien bleiben niedrig. Das bringt die Besitzer in Schwierigkeiten, etlichen droht sogar eine Enteignung. Das Volumen notleidender Kredite steigt - und die schlimmsten Auswirkungen der Rezession stehen noch bevor, warnen Experten.

NEW YORK. In den Vereinigten Staaten verschärft sich die Krise am Markt für Gewerbeimmobilien. Im ersten Quartal 2009 schnellte das Volumen notleidender Kredite für Gewerbeimmobilien um 43 Prozent auf 65,9 Mrd. Dollar (49,7 Mrd. Euro) hoch, wie das Analysehaus Real Capital Analytics meldet. Der Vergleichswert Ende 2008 lag bei 46 Mrd. Dollar. Insgesamt würden die Kredite für 3 678 gewerbliche Immobilien in den USA nicht mehr bedient.

Weil die Preise für Gewerbeimmobilien seit 2007 um mindestens 30 Prozent gesunken sind und auch weiterhin mit einem Preisverfall von elf Prozent gerechnet wird, dürfte die Zahl der Immobilien weiter steigen, deren Besitzer von den Banken enteignet werden. "Die schlimmsten Auswirkungen der Rezession kommen noch auf uns zu", sagt Stuart Saft, Immobilienanwalt und Partner der New Yorker Anwaltskanzlei Dewey & Leboeuf. "Zwangsvollstreckungen werden weiter steigen, wahrscheinlich für mindestens noch ein Jahr", sagt auch Peter Culliney, Direktor bei Real Capital. Das könnte Käufer locken - gäbe es nicht ein Problem: Marktteilnehmer wüssten derzeit nicht, wo der Boden bei den Preisen liege. Ungelöst sei in der Regel auch die Frage der Finanzierung. Wer also nicht in der Lage sei, eine Transaktion aus Barmitteln zu finanzieren, dem seien die Hände gebunden, so Culliney.

Wie hoch derzeit die Abschläge sind, belegt der Verkauf des John Hancock Tower, dem höchsten Bürogebäude in Boston. Die Immobilie ging bei einer Auktion am 31. März an ein Bieterduo aus Normandy Real Estate, einer auf Immobilien spezialisierten Private Equity Gesellschaft, und dem auf alternative Anlagen spezialisierten Vermögensverwalter Five Mile Capital Partners für 661 Mio. Dollar. Das ist etwa die Hälfte des Kaufpreises von 1,3 Mrd. Dollar, den der Immobilieninvestor Broadway Partners 2006 bezahlte. Broadway Partners konnte den ausstehenden Kredit nicht mehr bedienen.

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