Gewerbeimmobilien-Krise
Manhattan steht leer

In Manhattan ist die Leerstandsrate bei Gewerbeimmobilien im ersten Halbjahr 2009 auf 11,2 Prozent geklettert. Auf und abseits der New Yorker Prachtstraßen finden sich immer mehr geschlossene Läden und verlassene Bürogebäude. Die Kreditgeber fürchten nun das Platzen der nächsten großen Kreditblase.
  • 0

NEW YORK. Die Lage ist 1a: mitten auf Manhattans Prachtmeile Fifth Avenue, große Fensterfronten, zu den Nachbarn gehören Cartier, Fendi, Tommy Hilfiger. Eigentlich müssten sich Händler darum reißen, die sonst so begehrten Ladenflächen zu beziehen. Stattdessen: Leerstand. "Spektakuläre Gelegenheit für einen Flagship-Store", preist der Makler mit großen Lettern in den Schaufenstern an. Doch in Zeiten, in denen die Verbraucher ihr Geld zusammenhalten, reichen große Adressen nicht mehr aus. Die Mieten an der Fifth Avenue sind seit Sommer 2008 um nahezu zehn Prozent gefallen. Derweil steigt die Zahl der Läden mit einem Rollladen vor dem Schaufenster. Laut Immobilien-Broker Marcus & Millichap ist die Leerstandsrate in Manhattan im ersten Halbjahr 2009 um mehr als drei Prozent auf 11,2 Prozent geklettert.

Auch die Wall Street offenbart immer mehr leere Flecken. Die Ladenfläche neben Kultjuwelier Tiffany steht ebenso leer wie die im Trump Building gegenüber. Der Virgin Megastore am Times Square, einst Besuchermagnet und beliebter Touristen-Treffpunkt, wurde im Sommer geschlossen. Abseits der Top-Adressen das gleiche Bild: hier verriegelte Läden in Shopping-Malls, dort leer stehende Bürogebäude. Und die Kreditgeber zittern.

Platzt jetzt die nächste große Hypothekenblase? "Es ist ein großes Problem, das vor uns liegt", sagt der Chef der renommierten New Yorker Investmentfirma Blackrock, Larry Fink. Doch Blasen würden meist überraschend platzen - also nur dann, wenn die Probleme nicht bekannt seien. "Dies hier", sagt Fink im Fernsehsender CNBC, "ist kein verstecktes Problem." Vor der Macht der nächsten anrollenden Ausfallwelle fürchten sich viele in der Finanzbranche. Zwar dürften die Verluste nicht die gleichen Dimensionen erreichen wie in der Subprime-Krise. Dennoch warnen Marktbeobachter davor, dass die steigenden Ausfälle eine Erholung der US-Wirtschaft gefährden könnten.

Allein das Kreditportfolio von General Electric (GE) im Bereich Gewerbeimmobilien hat laut "Business Week" ein Volumen von 84 Mrd. Dollar. Demnach hielt das führende Industrie- und Finanzkonglomerat Ende des Vorjahres 3 200 Immobilien im eigenen Besitz sowie Kredite an 4 800 weiteren. Ähnlich wie auf dem Häusermarkt wurden Kredite gebündelt und an Investoren weiterverkauft - ein Marktsegment, das Experten auf gut 700 Mrd. Dollar veranschlagen.

Neben GE sind insbesondere Banken, Hedge-Fonds und Versicherungen im Besitz dieser "Commercial Mortgage Backed Securities" (CMBS). Viele Investoren haben während des Immobilienbooms zwischen 2004 und 2007 zugegriffen, im Rückblick betrachtet also zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn CMBS sind mit Mieteinnahmen von Bürogebäuden, Hotels und Einkaufszentren besichert, die regelmäßig in der Spätphase einer Wirtschaftskrise zu leiden beginnen.

Seite 1:

Manhattan steht leer

Seite 2:

Kommentare zu " Gewerbeimmobilien-Krise: Manhattan steht leer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%