Gewerbeimmobilienbranche
Den Klimawandel verschlafen

Die steigenden Energiepreise, der Klimawandel sowie die weltweit zunehmende Verstädterung mit sozialen und ökologischen Problemen wecken die Immobilienbranche auf, zögerlich thematisiert auch sie nun das Thema Nachhaltigkeit. Die Branchenschau Expo Real widmete ihr gar einen ganzen Tag – dazu besteht ein triftiger Grund.

BERLIN. Die Gewerbeimmobilienbranche hat bisher fast völlig ignoriert, dass ökologisch verträgliche und an sozialen Bedürfnissen ausgerichtete Bauweisen sogar einen wirtschaftlichen Mehrwert bringen, wie Investoren im In- und Ausland berichten.

Die positiven Erfahrungen im Wohnungsbau, bei dem Deutschland neben der Schweiz ein führender Forschungs- und Entwicklungsstandort ist, haben den Rest der Branche nicht erreicht. Ebenso wenig ehrgeizige Standards für Büroimmobilien wie die der USA. Süffisant titelte die Fachzeitung „Immobilienwirtschaft“ im September: „Klimadebatte trifft Gewerbeimmobilien.“

Nachhaltigkeit aber wird in der internationalen Immobilienbranche stark an Bedeutung gewinnen, wie eine Umfrage der Royal Institution of Chartered Surveyors (Rics) mit dem Oxford Institute for Sustainable Development ergab. Rics ist der weltweit führende Berufsverband für Immobilienfachleute und beschloss acht Prinzipien zu Nachhaltigkeit. Er befragte weltweit 47 000 Mitglieder, von denen zehn Prozent antworteten.

Die größten Hürden zur Nutzung nachhaltiger Instrumente und Techniken seien Wissens- und Erfahrungslücken in der Branche, berichtet Rics. Offenbar ist zu wenig bekannt, dass und wie sich der Energiebedarf durch integrierte Konzepte gegenüber herkömmlichen Gebäuden um bis zu 60 Prozent verringern lässt. Und dass die Planungs- und Baukosten oft nicht oder nur etwa fünf Prozent höher sind und sich nach wenigen Jahren amortisieren.

Eine umweltverträgliche Energieversorgung sei Nachhaltigkeitsthema Nummer eins, so die Studie. Auch Unternehmensberater bezeichnen Energieeffizienz als dritten Megatrend nach Globalisierung und Kapitalmarktorientierung. Hingegen betrachtet Thomas Beyerle, Chef-Researcher der Allianz-Tochter Degi Immobilien, die Energiebilanz als Einstieg in mehr Nachhaltigkeit, weil Zielvorgaben für messbare Erfolge möglich sind. Die Immobilien- und Bauwirtschaft stehe aber vor einem grundlegenden Wandel, bei dem sich der Fokus auch auf Gesundheit und Wohlbefinden erweitern werde, schon um Produktivitätsverluste der Mitarbeiter zu vermeiden, betont Beyerle. Eine nicht-repräsentative Umfrage zeigte im September, wie sehr die deutsche Branche auch hier noch am Anfang stehe. „Die Prozesse sind zögerlich, viele Nachhaltigkeitsaspekte werden nicht thematisiert“, berichtet Beyerle. „Für langfristig agierende Investoren wird es aber eine Möglichkeit sein, sich zukünftig nicht nur verantwortlich zu verhalten, sondern damit in den nächsten Jahren einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung zu realisieren.“ Die wirtschaftlichen Einsparmöglichkeiten seien riesig.

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