Grenzüberschreitende Investitionen
Die Amerikaner kommen

Es ist ausländisches Kapital, das die nationalen Immobilienanlagemärkte Europas derzeit in Schwung hält. Rund 119 Mrd. Euro wurden im ersten Halbjahr 2007 auf dem Kontinent in Immobilien investiert. Mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, waren grenzüberschreitende Transaktionen. Besonders begehrt: deutsche Immobilien.

wik MÜNCHEN. Erstmalig wurde damit in Zentral- und Osteuropa mehr Kapital über Landesgrenzen hinweg angelegt, als von heimischen Investoren auf ihre inländischen Märkte floss. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse des europäischen Investmentmarktberichts, den das internationalen Beratungsunternehmen CB Richard Ellis (CBRE) gestern auf der Münchener Expo Real präsentierte.

„Erstaunlicherweise wird der Markt von Investoren getrieben, die nicht zur Euro-Zone gehören“, sagt Nick Axford, CBRE-Research-Chef und Autor der Studie. So erwarben trotz eines schwachen Dollars US-Amerikaner europaweit Immobilien im Wert von 21,5 Mrd. Euro – eine Steigerung von fast 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als 13,9 Mrd. Euro aus den USA auf die Immobilienmärkte Europas floss. Deutlich aktiver zeigten sich auch britische Investoren: Auf ihrer Einkaufstour gaben sie zwischen Januar und Juni dieses Jahres bereits 11,5 Mrd. Euro auf dem Kontinent aus, fast doppelt so viel wie in der ersten Jahreshälfte 2006. „Der britische Immobilienmarkt hat sich abgeschwächt, heimische Investoren haben sich daher nach Anlagealternative umgesehen“, sagt der CBRE-Investmentchef Europa, Jonathan Hull. Im übrigen haben britische Anleger Nachholbedarf, ihr Anteil am europäischen Investmentkuchen liegt bei gerade einmal 14 Prozent. In den kommenden Monaten, ist Hull sicher, werde man zudem mehr australische Käufer auf dem europäischen Markt sehen, „und auch aus der Golfregion fließt mehr Liquidität zu uns“.

Besonders begehrt waren dabei bei den Käufern deutsche Immobilien: 16,5 Mrd. Euro fanden im ersten Halbjahr den Weg nach Deutschland – rund eine Mrd. Euro mehr als nach Großbritannien, auch das ein Novum. Damit wird der deutsche Immobilieninvestmentmarkt klar von ausländischem Kapital dominiert.

Umgekehrt geben deutsche Immobilieninvestoren wieder gern Geld im Ausland aus: Wie das Immobilienberatungsunternehmen Jones Lang Lasalle (JLL) anlässlich der Expo Real mitteilte, verdoppelten deutsche Immobilienanleger ihr Cross-border-Geschäft gegenüber der ersten Hälfte 2006 auf rund 13 Mrd. Dollar. Besonders aktiv seien insbesondere die deutschen offenen Fonds, die offenbar wieder von der Verkäufer- auf die Käuferseite wechseln: „Eine Reihe von Fonds verfügen über viel Kapital und suchen dafür nun weltweit nach Anlagemöglichkeiten“, sagt Robert Orr, JLL-Experte für internationales Investment. Auch in Deutschland, wie Peter Schreppel, Investmentspezialist bei CBRE betont: „Eines ist auffällig: Die deutschen Käufer sind zurück, auch auf dem heimischen Markt.“

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