Großbritannien
Aus der Traum vom großen Geld

Eine Dekade lang haben Investoren gut an der Reurbanisierung britischer Großstädte verdient. Britische Kapitalanleger, die in vermietete Wohnungen investiert haben, müssen sich jetzt allerdings auf schwere Zeiten gefasst machen.

MANCHESTER. Seit Ende der 1990er-Jahre zieht es die Briten zurück in die Zentren. Dabei entstanden Tausende neuer Wohnungen, deren Erwerb durch leicht zugängliche Darlehen einer breiten Masse ermöglicht wurde. Das zog viele Käufer an. Nicht nur diejenigen auf der Suche nach einem Eigenheim, sondern gerade auch jene, die ihr Kapital in Vermietungsobjekte anlegen wollten. Doch der Traum vom großen und vor allem schnellen Geld ist vorerst ausgeträumt.

Das Wachstum im Markt für Wohnungen, die gekauft werden, um sie zu vermieten - dem so genannten "Buy-to-Let-Sektor" - war enorm. Aus 120 000 Hypotheken, die noch vor acht Jahren zum Zweck der Vermietung einer Immobilie ausgegeben wurden, sind bis 2007 über eine Million geworden. Insgesamt schulden Vermieter englischen Banken 122 Mrd. Pfund (155 Mrd. Euro). Das entspricht einer Wertsteigerung dieses Sektors von mehr als 1 300 Prozent seit 2000.

Doch nun ist der Sättigungspunkt erreicht. Banken und Darlehensgeber ziehen sich zurück. Einige - wie Capitol Home Loans und The Mortgage Works - halten sich seit Neuestem sogar komplett aus dem Buy-to-Let-Geschäft heraus. Andere verschärfen die Kriterien für die Gewährung von Hypothekendarlehen. So wird die Kreditwürdigkeit der Darlehensbewerber strenger geprüft und die Beleihungsgrenzen werden herabgesetzt. Die Bausparkasse Cheltenham & Gloucester leiht derzeit nur noch 65 Prozent des Wohnungswertes, Northern Rock 70 Prozent und Bristol & West 75 Prozent.

Alastair Stewart, Immobilienanalyst bei Investmentbank Dresdner Kleinwort: "Die Lage auf dem britischen Wohnungsmarkt ist ein Ausläufer der US-Immobilienkrise. Viele Städte in Großbritannien sind übersättigt, trotzdem sprießen noch Tausende neuer Wohnungen aus dem Boden, es kommt zu Zwangsversteigerungen durch die Banken und akuten Preisstürzen." Neubauwohnungen brächten derzeit nur noch 74 Prozent ihres ursprünglichen Einkaufswerts.

Am schlimmsten betroffen von dem Überangebot sind die nördlichen Regionen Englands - Städte wie Leeds, Liverpool, Manchester und Newcastle. "Im Norden und den Midlands gibt es ganze Wohnblöcke, die einzig für den Buy-to-Let-Markt gebaut wurden und bei denen praktisch jeder Käufer einen Mieter sucht", so Mark Hughes, Analyst der Investment Bank Panmure Gordon & Co. "Diese werden bald zu Ramschpreisen rausgehen." Zu dem Zeitpunkt als die Krise in Großbritannien publik gemacht wurde, entstanden in Manchester gerade 3 000 neue Apartments, weitere 11 000 sind geplant.

Während professionelle Investoren mit einem starken Portfolio in dieser Situation die Ruhe bewahren, abwarten und ihre Objekte behalten, geht es bei den Amateuren, die sich auf der Profitwelle leicht ein paar Pfund verdienen wollten, ums Ganze. Alison O'Connor, eine Vermieterin mit drei Wohnobjekten in Manchester: "Derzeit könnte ich meine Wohnung nicht zu dem Preis verkaufen zu dem ich sie vor vier Jahren gekauft habe. Ich würde wohl 30 000 oder 40 000 Pfund (38 000 bis 51 000 Euro) verlieren." Pro Wohnungen erhöhte sich ihre monatliche Hypothekenzahlung um 300 Pfund (380 Euro). Da sie jedoch wegen des Überangebots an Wohnungen die Miete nicht erhöhen kann, sind ihre Mieteinnahmen 41 Prozent geringer als ihre Ausgaben für Hypothek und Objektverwaltung. Wer diese finanzielle Mehrbelastung nicht ausgleichen kann, muss damit rechnen, dass die Bank das Objekt unter den Hammer bringt .

Glaubt man den Marktanalysten, so ist dies erst der Anfang der Krise. "Der derzeitige Wertverlust von 26 Prozent bildet mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Lage derer ab, die erst vor einem Jahr gekauft haben. Wenn diese in die Zwangsversteigerung kommen, wird sich das Überangebot weiter vergrößert haben, so dass durchaus Verluste von 40 Prozent oder mehr vorstellbar sind", sagt Alastair Stewart von Dresdner Kleinwort.

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