Große Koalition könnte sich rasch auf Reits einigen
Gesetze verzögern Reits-Einführung

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – mit diesem Sprichwort müssen sich die Befürworter der Einführung von steuerbegünstigten Immobilienaktien, so genannter Real Estate Investment Trusts (Reits) in Deutschland trösten.

Denn der Beginn des Bundestagswahlkampfs im Mai war für die mit einem Reits-Gesetzentwurf befassten Experten des Finanzministeriums das Signal, die Arbeit daran zu unterbrechen. Wertvolle Zeit ging verloren. Mit dem In-Kraft-Treten eines Reits-Gesetzes wird nun im zweiten Halbjahr 2006, spätestens Anfang 2007 gerechnet.

Widerstände, an denen das Vorhaben insgesamt scheitern könnte, werden indes nicht mehr erwartet. CDU und SPD waren sich schon vor der Wahl über die Einführung von Reits einig. Ein Sachverhalt, an dem sich nach der Bundestagswahl nichts geändert hat: So äußerte sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch in der vergangenen Woche zuversichtlich über die Einführung börsennotierter Immobilienwerte. „Ich glaube, dass das ein Punkt ist, über den man reden kann“, sagt er mit Blick auf die Reits-Chance in einer großen Koalition. „Wir sind ein Land mit unterentwickeltem Immobilienmarkt, wenn es um die Fungibilität der Immobilien als ein Teil des Wertbestandes eines Unternehmens geht“, sagt Koch.

Wie komplex das Vorhaben indes ist, wird deutlich, wenn Klaus D. Droste, Managing Director der Deutschen Bank und einer der vielen Reits-Lobbyisten im Bankensektor, die Liste der zu ändernden Gesetze aufzählt: „Mit einem Reits-Rahmengesetz wird in HGB, Körperschaftsteuergesetz, Einkommensteuer-, Gewerbesteuer- und Umwandlungssteuerrecht sowie Wertpapierhandelsgesetz – um nur die wichtigsten zu nennen – eingegriffen.“

Die noch zu Zeiten der rot-grünen Regierung erarbeiteten Eckdaten sehen vor, dass Reits von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit werden. Im Gegenzug müssen sie 90 Prozent ihres Gewinns als Dividende ausschütten, die dann vom Anleger voll versteuert werden müssen. Das Halbeinkünfteverfahren, das die Steuerlast auf Dividenden halbiert, soll für Reits nicht gelten. Um überhaupt Reits gründen zu können, muss es attraktiv sein, ihnen Immobilien zu verkaufen. Das größte Hindernis: Stille Reserven werden offen gelegt, wenn eine Liegenschaft zu einem Preis über dem Bilanzwert veräußert wird. Diese stillen Reserven sollen darum nur mit dem halben Steuersatz belegt werden.

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