Großsiedlungen
Betongold statt Szeneviertel

Die Großsiedlungen sind zurück. Weil Innenstadtwohnungen knapp werden, drängen wieder mehr Mieter in die lange ungeliebten Blocks am Rand vieler Großstädte. Schon gibt es Warnungen, alte Fehler nicht zu wiederholen.
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BerlinHeute hat Andrej Eckhardt das nicht mehr nötig. Es ist zehn Jahre her, dass seine Inserate Aufsehen erregten: Junge Paare wohnen ein Jahr mietfrei! „Wir hatten elf Prozent Leerstand“, sagt der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte im Berliner Plattenbau-Viertel Hellersdorf. Heute betont Eckhardt: „Wir machen keine Sonderaktionen mehr.“ Die Mieter kommen auch ohne Werbegags. „Letztes Jahr hatten wir einen richtigen Run.“

Das ist nicht nur in Berlin so. Ob Köln, Hamburg, München, Leipzig - in den Hochhausvierteln rund um die deutschen Großstädte gibt es immer weniger freie Wohnungen. Aktionen mit Windel-Abos für Familien und Fahrräder zum Einzug oder Wellness-Wochenenden für alte Mieter sind dort meist Geschichte. Während in schrumpfenden Städten in Ost wie West die Abrissbirne noch in Zehntausende Wohnungen einschlagen soll, planen andere schon Neubauten zwischen 60er-Jahre-Wohnblöcken.

„Die Großsiedlungen erleben vielerorts eine Renaissance“, heißt es beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Die Vermieter sprechen von einem Imagewandel der Quartiere, von denen viele lange Zeit als soziale Brennpunkte verschrien waren.

Denn allein in den sieben größten Städten stieg die Bevölkerungszahl laut Bundesbauministerium seit 2007 um rund 330 000. Der Wohnungsbau hält nicht Schritt. In manchen Szenevierteln stehen Mietinteressenten bei Besichtigungen Schlange bis auf die Straße. Und die, die sich die angesagten Quartiere nicht leisten können, weichen aus.

Beispiel Berlin: Die Hauptstadt wuchs allein im vergangenen Jahr um 48 000 Einwohner. In zehn Jahren sank die Leerstandsquote in den 700 000 öffentlichen und Genossenschaftswohnungen von 5,4 Prozent auf 2 Prozent, wie der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen mitteilt. Seine Mitglieder halten viele Wohnungen in Großsiedlungen.

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Der Trend macht der Branche Sorgen

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  • Bei den niedrigen Zinsen kann man 2-3% Brutterendite absahnen. Da wird man richtig reich.

  • Wer in D vermietet ... muss ein Depp sein. Was soll ich mich mit Mietern rum ärgern?

  • Da Innenstädte nur begrenzt groß sind (was in der Natur der Sache liegt), kann Mietpreisbremsen hoch 10 beschließen. Es wird immer nur ein kleiner elitärer Teil dort wohnen können. Und wenn Wohnraum kostenlos wäre, würde der Arbeitslose auch nicht zum Zug kommen.

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