Ground Zero
„Freedom Tower“ droht Leerstand

Offiziell hat der Bau des wohl prestigeträchtigsten Projekts der Weltstadt New York jedoch erst vergangene Woche begonnen. Viereinhalb Jahre nachdem die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Zwillingstürme des „World Trade Centers“ in Schutt und Asche gelegt hatten, rücken jetzt die ersten Bauarbeiter an.

NEW YORK. Der Grundstein wurde schon vor fast zwei Jahren gelegt. Die Vorarbeiten laufen bereits seit Wochen im Verborgenen. Offiziell hat der Bau des wohl prestigeträchtigsten Projekts der Weltstadt New York jedoch erst vergangene Woche begonnen. Viereinhalb Jahre nachdem die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Zwillingstürme des „World Trade Centers“ in Schutt und Asche gelegt hatten, rücken jetzt die ersten Bauarbeiter an, um die klaffende Wunde im Herzen Lower Manhattans zu schließen. Bis 2012 sollen fünf neue Wolkenkratzer und ein Denkmal die 4 000 Quadratmeter (qm) große Baugrube füllen.

Jahrelang hatte sich Larry Silverstein, der Pächter des zerstörten World Trade Centers, mit der Stadt und dem Bundesstaat New York über das Design und die Finanzierung des Mammutprojekts gestritten. Erst die Drohung von Bürgermeister Michael Bloomberg, den 74jährigen Immobi-lienunternehmer vor die Tür zu setzen, führte letztendlich zu einer Einigung. „New York hat zu lange gewartet. Wir haben Konzessionen gemacht“, sagte Silverstein. Der Pächter muss die Kontrolle über den zwei Milliarden Dollar teuren „Freedom Tower“ und über ein weiteres Gebäude an die staatliche Port Authority abgeben. Er selbst behält jedoch die Handhabe über die drei lukrativsten Bürotürme an der Church Street. Insgesamt sollen durch das Vorhaben fast 820 000 qm neue Bürofläche entstehen. Die Gesamtkosten werden auf mindestens 6,3 Mrd. Dollar geschätzt. Dazu kommen weitere 800 Mill. Dollar für eine Gedenkstätte und ein Museum zur Erinnerung an die Opfer des 11. September.

Immobilienmakler in New York befürchten, dass der Wiederaufbau von „Ground Zero“ ähnlich wie der Bau des World Trade Centers in den siebziger Jahren den Büromarkt an der Südspitze Manhattans ins Chaos stürzen wird. Als die Zwillingstürme Anfang der 70er Jahre eröffnet wurden, konnten ihre eine Million qm Büroflächen nur mit massiven Subventionen und der Hilfe staatlicher Mieter sukzessive belegt werden. Erst als die Mieten in Midtown 1998 in die Höhe schossen, erreichte das World Trade Center eine Belegung von 98 Prozent.

Insbesondere der 540 Meter hohe Freedom Tower wird es nach Meinung von Experten schwer haben, Mieter zu finden. Das vom Berliner Stararchitekten Daniel Libeskind entworfene Gebäude sei nicht nur zu weit von den öffentlichen Bahnhöfen entfernt, sondern stelle aufgrund seiner symbolischen Bedeutung auch ein attraktives Ziel für neue Terroranschläge dar. „Wir werden im Angesicht des Terrors nicht flach bauen“, hatte New Yorks Gouverneur George Pataki betont. Dennoch musste der Entwurf von Libeskind zweimal überarbeitet werden, um die wirtschaftlichen und Sicherheitsbedenken des Bauherren Silverstein und der Stadt auszuräumen. Kritiker besänftigt das kaum: „Der Freedom Tower ist eine schreckliche Idee und sollte gekippt werden“, sagte Susan Fainstein, Professorin für Stadtentwicklung an der Columbia University der „New York Times“.

Bislang gibt es für den Büroturm nicht einen einzigen Interessenten. Die Stadt und der Bundesstaat haben sich daher verpflichtet, rund ein Viertel der neuen Bürofläche auf Ground Zero durch Behörden zu belegen. Das sorgt bei den benachbarten Besitzern von Bürogebäuden bereits für Unruhe. Müssen sie doch fürchten, dass ihre staatlichen Mieter zwangsweise umgesiedelt werden. Bis es soweit ist, werden in den nächsten Jahren jedoch erst einmal bis zu 15 000 Bauarbeiter die Südspitze Manhattans in eine Großbaustelle verwandeln. Zusätzlich zu den Wolkenkratzern auf Ground Zero baut die Stadt dort die U-Bahnstrecke aus und nebenan errichtet die Investmentbank Goldman Sachs ihr neues Hauptquartier.

Der lange Weg bis zum Beginn der Bauarbeiten

11.September 2001: Ein Terroranschlag zerstört das World Trade Center.

30. Mai 2002: Die Bergungsarbeiten am Ground Zero werden offiziell beendet.

27.Februar 2003: Der Architekt Daniel Libeskind gewinnt den Wettbewerb um den Neubau des World Trade Center (WTC).

4. Juli 2004: Der Grundstein für den „Freedom Tower“ wird gelegt.

27.April 2006: Offizieller Baubeginn am Ground Zero.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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