Günstige Immobilien
Vom Leben im „Wohnklo auf zwei Etagen“

Die Preise für Immobilien steigen rasant. Ein neues Projekt soll das eigene Haus jetzt wieder bezahlbar machen. Warum sich Immobilienkäufer in Zukunft auf kleinstem Raum einrichten müssen.
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DüsseldorfIm wilden Berliner Immobilienmarkt ist der Arendsweg in Hohenschönhausen eine eher durchschnittliche Adresse. Nicht weit von der Gedenkstätte der ehemaligen Folterkeller von Stasi und Sowjetarmee entfernt reihen sich typische Berliner Mietskasernen und Brachflächen aneinander.

Trotz des Immobilienbooms in der Hauptstadt handelt es sich noch um eine normale Lage. Kein Vergleich zu dem neureichen Quartier Berlin Mitte, wo Immobilieninvestoren mittlerweile Kaufpreise zahlen, die in der Spitze im fünfstelligen Euro-Bereich für den Quadratmeter liegen. Kein Vergleich auch mit dem Prenzlauer Berg in Pankow, wo der Milieuschutz die langjährigen Einwohner bewahren soll vor Luxussanierungen der Vermieter, die bei einem Verkauf Kasse machen möchten.

Obwohl der Arendsweg in Hohenschönhausen also nicht viel mehr als ein bürgerliches Publikum, moderate Mieten und eine mittelmäßige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zu bieten hat, entsteht hier ein Immobilienprojekt, das die Zukunft des deutschen Wohnens verändern könnte.

Das Besondere an dem Projekt „Arends Carree“ des Immobilienentwicklers NCC, bei dem bis zum Frühjahr 2015 zunächst 18 Reihenhäuser entstehen sollen: Jedes der auch für Familien gedachten Häuser hat nur eine Wohnfläche von 80 Quadratmetern. Da die Häuser zwei Etagen haben, bietet jede nur eine Wohnfläche von 40 Quadratmetern. Böse Zungen sprechen bereits von einem „Wohnklo auf zwei Etagen“. Den Begriff „Wohnklo“ benutzen Studenten teils verächtlich, teils liebevoll für ihre oft kleinen Residenzen.

Der Trend zum Minihaus ist neu. Bislang galt die Regel, dass Häuser mindestens 120 Quadratmeter groß sein sollten, damit sie Käufer finden. „Wir möchten Wohnraum schaffen, den sich auch Menschen bei normalem Einkommen trotz Immobilienboom noch leisten können“, sagt Nils Olov Boback, Vorsitzender der Geschäftsführung von NCC Deutschland. „Wir denken, dass es für viele Käufer auch etwas kleiner geht.“

Die Ausstattung ist spartanisch. Jede der beiden Etagen ist nur rund vier Meter breit. Ein Keller fehlt ebenso wie ein Energiekonzept, das die gesetzlichen Vorgaben übertrifft. Die Wände sind zwar gemauert, die einzelnen Baukomponenten werden aber industriell gefertigt. Vorbild ist die Fließbandproduktion auf Basis einzelner Grundmodelle, wie sie etwa bei den Autoherstellern üblich ist.

Kommentare zu " Günstige Immobilien: Vom Leben im „Wohnklo auf zwei Etagen“"

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  • Wohnklo ist der richtige Ausdruck für viele Wohnungen in den Ballungsräumen, die in der Regel in den sog. Ghettos liegen. Vor der Haustür wird noch vom Wohnklo innen übertroffen. Tendenz stark steigend.

    Hier gibt es auch poltische Verantwortung. Nur wer übernimmt sie?

    Schweigen im Walde. Keiner will es sehen, geschweige darüber reden.

    Danke vorab für die Blumen.

  • Es zeigt sich, daß das Projekt neue Weltordnung zügig voranschreited. Nach Finanzkrise, fortschreitender Umverteilung von unten nach oben und der Bildung einer geschichteten Gesellschaft mit dem Geld- und politischen Machtadel an der Spitze nun das erste Ergebnis - Die deutsche Bevölkerung kann sich nach 70 Jahren Wirtschaftswunder und Boom Eigenheime leisten, die in Fläche und Bauweise denen aus der "Notzeit" nach dem 2. Weltkrieg entsprechen.

    Politik und Bauprofiteure sahnen dagegen über explodierende Bau- ,Grund- und Finanzierungskosten in biblischem Ausmaß ab. Irgenwie scheinen wir Deutsche unter einer Art Stockholm-Syndrom zu leiden. Wenn das Schaaf den eigenen Schlächter immer wieder wählt stehts im wahrsten Sinne des Wortse schlächt um unser Land. Wenn das nicht irgendwann böse endet ...

    Schade drum. Eigentlich könnte man stolz auf sein Land, seine Kultur und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sein.

  • Schauen Sie sich mal die Wohnung von dem griechischen Finanzminister in Athen und das Haus seiner Frau auf der Insel an. Dann wissen Sie wie Marxisten leben. Dann wird dann Solidarität von der jungen deutschen Familie auf ihren 40 qm gefordert, wahrscheinlich noch gekauft in bar mit griechischen unversteuerten Schwarzgeld. So langsam läuft einem einfach die Galle über.

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