Gutachten
Immobilien sind wichtiger als Maschinenbau

Ein am Donnerstag erschienenes Gutachten unterstreicht die ökonomische Bedeutung der Immobilienbranche. Demzufolge trägt die deutsche Bau- und Immobilienwirtschaft jährlich rund 390 Mrd. Euro zur Bruttowertschöpfung bei und ist damit bedeutender als Fahrzeug- und Maschinenbau, die zusammen eine Wertschöpfung von nur 155 Mrd. Euro erreichen.

BERLIN. Betrachtet man lediglich die Immobilienwirtschaft im engeren Sinn, also Vermieter, Vermittler und Verwalter von Immobilien, beträgt die Wertschöpfung 150 Mrd. Euro.

Diese Zahlen gehen aus einem am Donnerstag vorgelegten Gutachten hervor, das im Auftrag des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung sowie der Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) entstanden ist. "Die Immobilienbranche ist eine der Leitindustrien unserer Volkswirtschaft", folgert daraus Hartmut Bulwien, Präsident der gif. Eckart John von Freyend, Ehrenpräsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), äußert die Hoffnung, "dass die Studie dazu beiträgt, die Bedeutung der Immobilienwirtschaft in der öffentlichen Wahrnehmung zu erhöhen". Diese Bedeutung werde insbesondere seitens der Politik verkannt, beklagt Rolf Kornemann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI).

Verfasst wurde die Studie von Wissenschaftlern des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie der Universität Mannheim und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Nach ihren Angaben gehören über 707 000 Unternehmen mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten zur Immobilienwirtschaft. Den Wert aller Wohn- und Gewerbeimmobilien (inklusive Grundstücke) beziffern die Forscher auf knapp neun Bill. Euro (Stand Anfang 2008), wovon 59 Prozent auf Wohn- und 41 Prozent auf Nichtwohnbauten entfallen.

Charakteristisch für den deutschen Immobilienmarkt ist dem Gutachten zufolge seine hohe Stabilität. Laut Michael Voigtländer, Leiter der Forschungsstelle Immobilienökonomik am IW Köln, schwanken die Wohnimmobilienpreise in Deutschland nur halb so stark wie in Großbritannien oder den Niederlanden. Als Hauptgrund dafür nennen die Verfasser den Umstand, dass Immobilien in Deutschland überwiegend mit festverzinslichen Darlehen und einem hohen Eigenkapitalanteil finanziert werden. "Der deutsche Immobilienmarkt", konstatiert Voigtländer, "wird für Investoren zunehmend zum sicheren Hafen."

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