Hamburg plant noch mehr Shoppingcenter
Wettlauf gegen die „Grüne Wiese“

In den vergangenen dreißig Jahren kannte der Hamburger Senat ein Ziel: neue Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, damit die Bürger ihr Geld in jedem Fall innerhalb der Stadtgrenzen ausgeben. Das Konzept gegen den Shoppingcenter-Wildwuchs auf der schleswig-holsteinischen „grünen Wiese“ ging auf. Allerdings wurde durch diese Genehmigungspraxis sowie die zunehmende Filialisierung im Handel die eigentliche City nachhaltig geschwächt.

HB DÜSSELDORF.„Hamburg ist reich an stadteilbezogenen Einkaufszentren, die so groß und vom Sortiment her inzwischen so umfangreich sind, dass niemand mehr zum Einkaufen an die Mönckebergstraße oder die Spitaler Straße fahren muss“, sagt Sven Gröning, Mitglied der Geschäftsleitung des Maklerunternehmens Kemper's in Hamburg. Dafür halten sich Mietpreise und Passantenfrequenz noch recht wacker. Mieten von bis zu 185 Euro pro Quadratmeter (qm) werden in Bestlagen realisiert.

Doch der City droht neue Gefahr. Gerade im September 2004 eröffnete das „Phönix-Center“ in Hamburg-Harburg mit 26 500 qm Verkaufsfläche seine Pforten. In das Gemeinschaftsprojekt investierten die Hamburger ECE-Gruppe, B&L Immobilien AG und Deutsche Euroshop AG 145 Mill. Euro. Mit der „Europapassage“, einem 430 Mill. Euro teuren Neubau der HSH Nordbank und der Allianz, wird im Herbst 2006 ein innerstädtisches Großcenter mit 30 000 Quadratmetern Verkaufsfläche fertig gestellt. Eine weitere, 40 000 Quadratmeter Ladenfläche umfassende Einkaufswelt, soll zudem bis 2009 im Überseequartier, dem Herzstück der neuen Hafencity, entstehen. Die Hafencity Hamburg GmbH mit Jürgen Bruns-Berentelg an der Spitze verhandelt derzeit mit zwei Konsortien, der ING Germany GmbH sowie Groß & Partner, Frankfurt. Das andere Team bilden die ECE Projektmanagement GmbH, die Difa Deutsche Immobilien Fonds AG und Tishman Speyer Properties Deutschland GmbH. Hamburgs Einzelhandelsverband läuft Sturm. „Wenn überall dieselben Geschäfte anmieten, fressen sich die Unternehmen gegenseitig die Umsätze weg“, lautet die Kritik von Verbandschef Ludwig Görtz.

Center-Marktführer ECE schaut sich derweil einen weiteren Hamburger Standort an: In Nachbarschaft zur Bergedorfer Innenstadt haben das Elektrounternehmen Glunz sowie der Textiler Penndorf ihre Standorte aufgegeben. „Wir überlegen, ob wir hier etwas Sinnvolles entwickeln können. Ein Gutachten ist gerade in Arbeit“, berichtet ECE-Sprecher Robert Heinemann. Die Bergedorfer Händler sehen die Centerplanung vor allem als Bedrohung und haben ihre Einkaufsstraße zum Business Improvement District (BID) erklärt.

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