Hamburger Hotelmarkt
Schlafplatz für wenig Geld gesucht

Allein im Jahr 2007 kamen 7,4 Millionen Reisende für einen Besuch nach Hamburg - 55 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren. Viel Geld wollen die Stadttouristen aber nicht für ihr Zimmer ausgeben. Darum tobt auf dem Hamburger Hotelmarkt derzeit ein harter Verdrängungswettbewerb. Die Gewinner sind Ketten und Nischenanbieter.

HAMBURG. Hafencity, Süllberg, die neuen Messehallen, dazu renovierte Jugendstilvillen, Museen, Musicals, Hafen und Alster – das sind nur einige Gründe für die wachsende Beliebtheit Hamburgs bei Touristen. 7,4 Millionen Reisende kamen 2007 an die Elbe und blieben mindestens für eine Nacht in einem Hotel oder einer Pension. Das sind 55 Prozent mehr als vor sechs Jahren. Gemeinsam mit Berlin und München steht Hamburg damit an der Spitze beim Vergleich von Besucherzahlen und Zimmerauslastung. „Diese positive Entwicklung wird in Hamburg weitergehen“, prognostiziert Andreas Erben, Hotelexperte beim Maklerunternehmen Dr. Lübke. Ins Jahr 2008 sei Hamburg bereits mit einem sehr guten Zwischenergebnis gestartet: „In den ersten Monaten stieg die Zahl der Übernachtungen um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“

Investoren scheinen ähnlich positiv gestimmt: Sie pumpten im vergangenen Jahr 2,3 Mrd. Euro in den Hotelmarkt an Alster und Elbe: So eröffneten dieses Jahr das Hotel „Lindner am Michel“ und das Hostel „Superbude“ mit zusammen 335 neuen Zimmern. Weitere sechs Hotels mit rund 760 Zimmern kommen bis Ende 2008 hinzu, im nächsten Jahr noch einmal zehn Häuser. Das entspricht einer Steigerung um mehr als 16 Prozent.

„Diese Entwicklung wird die Hotellerie in der Hansestadt vor Herausforderungen stellen“, warnt allerdings Ulrike von Albedyll, Geschäftsführerin beim Deutschen Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) Hamburg. Dies zumal sich gleichzeitig laut Beratungsgesellschaft Horeal bundesweit eine Übernahmewelle auf dem Hotelmarkt anbahnt: Fast 2 000 Häuser, etwa dreizehn Prozent des bundesweiten Bestandes, werden demnach in den kommenden Jahren den Besitzer wechseln. „Bei rund zwei Dritteln dieser Transaktionen wird ein Übergang im Familienkreis angestrebt“, sagt Horeal-Geschäftsführer Alexander Trobitz. Bei dem verbleibenden Drittel werde verkauft. „Diese Veränderungen beobachten wir auch auf dem Hamburger Markt“, bestätigt Fabian Libbertz vom Maklerhaus Engel & Völkers in der Hansestadt. „Die Nachfrage ist groß, aber auch das Angebot wächst, und die Reisenden wollen in Hamburg keine Höchstpreise bezahlen.“

Tatsächlich ist eines der größten Hemmnisse für den Hamburger Hotelimmobilienmarkt die Sparsamkeit der deutschen Gäste – und sie machen den Großteil der Hamburg-Touristen aus. „Ein deutscher Tourist, der ohne Murren in London und Mailand 250 Euro für ein Standardzimmer auf den Tisch legt, weigert sich in Hamburg, Berlin und Frankfurt, mehr als 100 Euro zu zahlen“, sagt Martin Bowen. Er erschließt für die Intercontinental Hotels Group den europäischen Markt. Wegen ihres soliden Wachstums sei Hamburg für die großen internationalen Hotelketten dennoch interessant, sagt er. Intercontinental etwa kommt 2009 mit zwei Holiday Inn Express-Häusern nach Hamburg.

„Der Trend geht eindeutig zu weniger teuren Hotels“, bestätigt Martina Fidlschuster von der Unternehmensberatung Hotour in Frankfurt das Kostenbewusstsein der Gäste. „Profitieren werden gut geführte, modernisierte und neue Budget-Hotels.“ Der Konkurrenzdruck werde sich allerdings durch die zahlreichen Neuzugänge noch verschärfen. Verlierer dieses Trends könnten laut Fidlschuster kleinere privat geführte Häuser aus den 70er- und 80er-Jahren in B-Lagen werden. Für gut geführte Nischenprodukte sieht sie jedoch immer einen Markt.

„Konkurrenz belebt das Geschäft“, zeigt sich daher auch Jens Stacklies, Vizepräsident des Dehoga in Hamburg, optimistisch. Vor großen Hotel- und Restaurant-Ketten müsse man keine Angst haben, sagt der Unternehmer, der selbst zwei Großgastronomiebetriebe und ein Restaurant betreibt. „Wir brauchen auch weiterhin die gemütliche Pension am Elbstrand und das Fischlokal an der Ecke“, ist er überzeugt. Neue Hotelentwicklungen sieht er dennoch als Bereicherung: „Asiatische Hotelketten zum Beispiel bringen Gäste in die Stadt, die sonst nie hierher gekommen wären.“

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