Handelsblatt-Umfrage
Investoren spüren Kreditklemme

Die restriktive Kreditvergabe ist der wichtigste Grund für das gesunkene Umsatzvolumen auf dem deutschen Immobilieninvestmentmarkt. Das hat eine gemeinsame Umfrage von Handelsblatt und der Immobilienmesse Expo Real unter den Kunden der Messe ergeben.
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DÜSSELDORF. Knapp die Hälfte der Befragten machte die Kreditklemme dafür verantwortlich, dass das Transaktionsvolumen eingebrochen ist. Nicht einmal ein Drittel nannte als Grund für den Stillstand auf den Investmentmärkten die gesunkene Risikobereitschaft der Investoren. Und nur knapp jeder vierte Befragte aus der Branche macht überhöhte Preisforderungen der Verkäufer als Ursache der derzeitigen Flaute aus.

Laut Immobiliendienstleister CB Richard Ellis wechselten im ersten Halbjahr bundesweit Gewerbeimmobilien für 3,3 Mrd. Euro den Besitzer. Wettbewerber Jones Lang Lasalle (JLL) addiert Verkäufe über 3,7 Mrd. Euro. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres ein Absturz um etwa 70 Prozent: Damals waren noch Gewerbeimmobilien im Wert von mehr als zwölf Mrd. Euro gehandelt worden. Allerdings wertet es Berater JLL als positives Signal, dass allein im Juli dieses Jahres 1,2 Mrd. Euro auf dem deutschen Investmentmarkt umgesetzt wurden. Das entspricht immerhin einem Drittel dessen, was im kompletten ersten Halbjahr 2009 deutschlandweit an Immobilienverkäufen registriert wurde. Bis Ende des dritten Quartals, so die Hoffnung der Investmentberater, sollen daraus circa drei Mrd. Euro werden.

Doch bei der Kreditvergabe klemmt es nach wie vor. "Die Finanzierungssituation auf den deutschen Immobilienmärkten hat sich in den vergangenen zehn Monaten drastisch verschlechtert", fasst der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss das Ergebnis seiner Umfrage unter Branchenmitgliedern zusammen. Eine erste Befragung im November 2008 hatte ergeben, dass zumindest kleinere Projekte und Portfolios im zweistelligen Millionenbereich noch finanziert wurden. Schwierigkeiten bei kleinen Krediten hatten in der ersten Umfrage nur 19 Prozent der Befragten gesehen. In der aktuellen Umfrage stieg ihr Anteil bereits auf 56 Prozent.

Über die restriktive Vergabe von Finanzierungen ab 200 Mio. Euro klagen diesmal schon 79 von Hundert Befragten statt 61 Prozent in der vorangegangenen Studie. Und obwohl die großen Immobilienfinanzierer kaum Neugeschäft machen, halten sie sich auch bei der Verlängerung bestehender Kredite zurück. "Die Prolongation war im November vergangenen Jahres für 46 Prozent der Befragten schwierig - nun ist sie es schon für 64 Prozent", sagt ZIA-Präsident Andreas Mattner. Da verwundert es nicht, dass die großen Deals des Jahres auf das Konto eigenkapitalstarker Investoren wie Offener Immobilienfonds gehen.

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