Haus-Flaute
Kein Käufer in Manhattan

Die Krise der Wall Street trifft jetzt auch den teuersten großstädtischen US-Immobilienmarkt: Die Nachfrage nach Wohnungen in Manhattan ist so schwach wie seit zehn Jahren nicht mehr. Trotzdem bleiben Experten grundsätzlich optimistisch.

HB NEW YORK. Im zweiten Quartal fiel die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen um 22 Prozent. Ein solcher Rückgang war zuletzt 1998 verzeichnet worden. Gleichzeitig nahm der Bestand von leerstehenden Apartments, die noch keinen Käufer fanden, um 31 Prozent auf 6 869 Wohnungen zu. Das ist der höchste Stand seit acht Jahren, wie aus Daten des Immobilienunternehmens Miller Samuel sowie der Maklerfirma Prudential Douglas Elliman Real Estate hervorgeht.

Zwar stiegen die Durchschnittspreise weiter - im abgelaufenen Quartal um nahezu 15 Prozent auf einen Rekordwert von 1,03 Mill. Dollar. Doch das ist auf den Verkauf weniger, besonders teurer Neubauobjekte zurückzuführen. Die Käufer lassen sich auch mehr Zeit als früher: Laut Miller Samuel ist eine Wohnung durchschnittlich 135 Tage am Markt - 15 Prozent länger als zuvor. Experten sehen darin ein Zeichen, dass die Preise auf dem teuersten großstädtischen Wohnungsmarkt der USA künftig nachgeben werden.

"Es handelt sich tatsächlich um eine Abkühlung der Verkaufsaktivität", sagte Jonathan Miller von Miller Samuel, "und das deutet auf einen Wandel oder einen bevorstehenden Wendepunkt hin." Eine solche Entwicklung könnte sich beschleunigen, wenn die von Verlusten und Abschreibungen geplagten Finanzinstitute die bereits angekündigten knapp 90 000 Stellen streichen. Die New Yorker Gerson Group hält es sogar für wahrscheinlich, dass die Branche bis Juni 2009 knapp doppelt so viele, nämlich bis zu 175 000 Mitarbeiter entlässt. Der Immobilienmarkt in Manhattan ist sehr abhängig von den Bonuszahlungen der Wall Street.

Im abgelaufenen Jahr legten die Wohnungspreise in Manhattan insgesamt noch um 3,6 Prozent zu; das entspricht der niedrigsten Steigerungsrate seit elf Jahren. Rund ein Drittel der im zweiten Quartal 2008 abgeschlossenen Kaufverträge betreffen Neubauwohnungen. Teilweise wurden diese Verträge bereits vor den Verwerfungen an den US-Kreditmärkten abgeschlossen, wie Gregory Heym, der Chefökonom von Terra Holdings, sagt. Bei nicht wenigen der nun verkauften Eigentumswohnungen handelt es sich um die mehrere Millionen Dollar teuren Einheiten im neugestalteten Plaza und an der Adresse 15 Central Park West. Zu den Käufern dieser besonders großzügig ausgestatteten Wohneinheiten zählen neben dem Präsidenten der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, der frühere Citigroup-Chef Sanford Weill sowie der britische Rockstar Sting.

Das oberste Segment des Wohnungsmarktes in Manhattan verzeichnete im zweiten Quartal die stärksten Preissteigerung. Hier sind großzügige Wellness-Bereiche und ein Zimmerservice wie im Hotel der Luxusklasse die Regel. Der Durchschnittspreis stieg laut Miller Samuel um knapp 38 Prozent auf 4,95 Mill. Dollar. Als Luxuswohnung gilt ein Objekt, wenn der Preis mehr als 3,1 Mill. Dollar beträgt. Sobald die Wohnungen in 15 Central Park West komplett verkauft sind, dürfte der Durchschnittspreis in Manhattan recht schnell um bis zu 200 000 Dollar fallen, sagt Experte Heym voraus. "Ich rechne aber nicht mit dramatischen Preisbewegungen vor dem Jahresende", fügt er hinzu. Entscheidend für die künftige Preisentwicklung seien die Bonuszahlungen der großen Investmentbanken und die Entwicklung der Stadt im kommenden Jahr.

Experten bleiben aber grundsätzlich optimistisch für den Immobilienmarkt in Manhattan. "Die Märkte steigen und fallen. New York City ist aber nun mal eine Insel, es gibt nicht viel bebaubares Land, und die Stadt wird das überleben", sagt Dottie Herman, die Vorstandsvorsitzende von Prudential Douglas Elliman. "Wir sollten den Boden küssen und uns freuen, dass wir in New York leben", sagt sie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%