Hinter vorgehaltener Hand werden Wertberichtigungen offener Fonds als zu gering eingeschätzt
Deutsche Bewertungsmethoden haben einen schlechten Ruf

Rod Jones, Partner im britischen Immobilienberatungsunternehmen Drivers Jonas, hat seine Prinzipien: „Als Immobilienbewerter muss man eine harte Hand haben und bereit sein, Konflikte mit seinen Auftraggebern auszufechten.“ Das sieht Kollege Andrew Groom von Jones Lang LaSalle (JLL) in Frankfurt ähnlich: „Heftig diskutiert werden Bewertungen immer dann, wenn sie negative Veränderungen mit sich bringen“, sagt er. Dennoch sei es guter Brauch, einmal gemachte Annahmen zu korrigieren, wenn dies notwendig sei.

DÜSSELDORF. Gegenwärtig gehört das bei Immobiliensachverständigen und -bewertern zum Alltagsgeschäft. Die schwache Nachfrage auf den deutschen Gewerbeimmobilienmärkten, hohe Leerstände, insolvente Mieter und sinkende Mieterträge belasten Eigentümer landauf, landab. Vor allem die offenen Immobilienfonds bekommen dies zu spüren. Allein in den Jahren 2002 und 2003, so die offizielle Verlautbarung des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), berichtigten sie den Wert ihrer inländischen Objekte um jeweils rund 823 Mill. Euro – eine Abwertung in Höhe von 2,6 beziehungsweise 2,3 Prozent. Hinter vorgehaltener Hand meinen viele Experten, der Korrekturbedarf sei deutlich höher. Er betrage nämlich mindestens zehn Prozent.

Für Thomas W. Stroh, Immobiliensachverständiger und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Immobilien-Investment-Sachverständigen (BIIS) ist dies keinesfalls ein Zeichen mangelnder Professionalität und Seriosität seines Berufsstandes. „Wertabweichungen von bis zu 15 Prozent nach oben und unten sind möglich und auch höchstrichterlich abgesegnet“, sagt er. Bei den offenen Fonds fielen diese ohnehin geringer aus und lägen allesamt unterhalb der Zehn-Prozent-Marke.

Dennoch wird in der Branche derzeit das Thema Bewertung diskutiert wie seit Jahren nicht mehr. Denn neben dem marktbedingt steigenden Wertberichtigungsbedarf in den Büchern institutioneller Anleger sorgt auch deren veränderte Anlagestrategie für frischen Wind in der Bewerterlandschaft. Mit Blick auf die schwierige Immobilienkonjunktur im eigenen Land sehen sich alle großen deutschen Fondsgesellschaften schon seit geraumer Zeit jenseits der Grenzen um. Im vergangenen Jahr befanden sich bereits 41,8 Prozent aller Liegenschaften der 22 bedeutendsten offenen Fonds im europäischen Ausland, meldet der BVI. Weil sie jedoch wie inländische Objekte den Vorschriften des Investmentgesetzes (InvG) und dem wachsamen Auge der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unterliegen, muss auch jedes Bürogebäude in Paris, London oder Warschau vor dem Ankauf – und danach einmal jährlich – von einem unabhängigen Sachverständigenausschuss bewertet werden.

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