Höchstes Hotel
Nordkoreas „Pyramiden-Monsterhotel“ startet 2013

Nordkorea setzt jetzt auf Tourismus: Im kommenden Jahr wird in der Hauptstadt Pjöngjang das höchste Hotel der Welt eröffnet. Betreiber des 330 Meter hohen „Pyramiden-Monsterhotels“ wird Kempinski.
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Das weltweit höchste Hotel wird im nächsten Jahr seine Tore öffnen - und zwar ausgerechnet in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Das totalitäre und international isolierte und sanktionierte Regime des verarmten Landes setzt jetzt auf Tourismus und will harte Devisen ins Land holen.

Das in Pyramidenform errichtete, 105 Stockwerke hohe Ryugyong Hotel soll zum Teil im Juli oder August den Betrieb aufnehmen, erwartet Reto Wittwer, der Konzernchef der Kempinski AG. Seit der Grundsteinlegung sind drei Jahrzehnte vergangen. Kempinski, der deutsche Verwalter von Luxushotels, ist der erste Gastgewerbe-Konzern aus dem Westen, der sich in Nordkorea engagieren wird.

Der junge nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un setzt auf den Tourismus, um an die dringend benötigten ausländischen Devisen zu gelangen. Gleichzeitig baut die internationale Gemeinschaft die Sanktionen gegen das Land aus, die sich vor allem gegen das Atomprogramm richten. Der wichtigste Handelspartner des Landes ist China, von wo auch die meisten Touristen hereinströmen. Bürgern aus Europa, den USA und Südkorea wird hingegen von ihren Regierungen ausdrücklich empfohlen, nicht nach Nordkorea zu reisen.

“Das Pyramiden-Monster-Hotel wird alle Geschäfte in der Stadt an sich reißen”, sagt Wittwer. “Wenn es eine Chance gibt, müssen wir dieses Hotel bekommen, habe ich mir gesagt, da es zu einer Gelddruckmaschine wird, wenn sich Nordkorea öffnet.”

Kempinski mit Sitz in München kümmert sich um die Verwaltung, während die ägyptische Orascom Telecom Media & Technology Holding SAE das Hotel finanziert. Orascom hat dafür im Gegenzug 2008 eine Mobilfunklizenz im Volumen von 400 Mio. Dollar in Nordkorea erhalten. Allein für die Vollendung der Fassade des Bauwerks hat Orascom 180 Mio. Dollar ausgegeben.

Ursprünglich 1500 Räume geplant

“Die Investitionen von Orascom werden in einzigartigen Modulen ausgeglichen”, erläutert Wittwer, “in Nordkorea wird man mit Bergbaurechten, Rohmaterialien, Rohstoffen und anderen Tauschwaren vergütet, da das Land über keine Barmittel verfügt.”

Wittwer, der 64-Jährige Schweizer Hotelier, wurde vor mehr als einem Jahrzehnt von Ri Chol angesprochen, der seinerzeit nordkoreanischer Botschafter bei den Vereinten Nationen war. Er war auch Mentor von Kim, der im Dezember, nach dem Tod seines Vaters, die Macht übernahm. Ri suchte nach Investoren für das Hotel, dessen Bau 1993 wegen nicht ausreichender Mittel und Missmanagement gestoppt wurde.

Wittwer hält es nach eigenen Worten für denkbar, dass Kim wegen seiner Zeit in einem Schweizer Internat nun vermehrt eine Öffnung des Landes erwägt, sagt Wittwer.

Hotelgäste sollen auf den obersten Stockwerken in insgesamt 150 Räumen untergebracht werden - ursprünglich waren 1500 geplant. Die Hotelzimmer sollen “mit der Zeit entwickelt werden”, um die bislang noch unzureichend entworfenen Räume umzugestalten, erläutert Wittwer. Läden, Restaurants, ein Ballsaal und die Büroräume von Orascom sollen in den unteren Stockwerken entstehen und ebenfalls im nächsten Jahr fertig sein.

Kempinski betreibt auch das Fünf-Sterne-Hotel Adlon am Brandenburger Tor in Berlin, in dem regelmäßig Staatsoberhäupter, Filmschauspieler und andere berühmte Gäste absteigen.

Ryugyong bedeutet auf Koreanisch “Hauptstadt der Weiden”. Das Hotel wird mit 330,03 Metern das höchste der Welt sein, wie aus Informationen der Emporis GmbH hervorgeht, die Daten von Bauwerken mit hohem öffentlichem und wirtschaftlichem Wert sammelt.

 
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Höchstes Hotel: Nordkoreas „Pyramiden-Monsterhotel“ startet 2013"

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  • Fasch recherchiert, das Hotel wird nicht das höchste der Welt sein. In Dubai eröffnet nächsten Monat ein 355 Meter hohes Marriott.

  • Pervers.

    Im Land verhungern die Menschen und dann so ein Hotel.

    Wer will als Tourist nach Nordkorea? Mal abgesehen von den Schikanen bei der Einreise und der tatalen Überwachung während des Aufenthaltes.

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