Hohe Nachfrage
Moskau öffnet sich für ausländische Anleger

Moskau boomt, und mit der Stadt ihr Immobilienmarkt. "Sie ist die größte und am schnellsten wachsende Metropole Europas", sagt Thomas Beyerle, Research-Leiter der Degi Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds. Längst hat daher die russische Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt zur Spitzengruppe der europäischen Bürovermietungsmärkte aufgeschlossen.

DÜSSELDORF. Nur in London und Paris werden inzwischen jährlich mehr Büros vermietet als hier, und auch die Investments in Immobilien aller Art werden in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen. Allein im ersten Halbjahr 2006 lagen die Investitionen in gewerbliche Immobilien höher als in den gesamten drei Vorjahren, meldet der internationale Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE). Das größte Einzelinvestment tätigte dabei ein österreichisches Unternehmen: Meinl European Land erwarb für 400 Mill. Euro vier Shoppingcenter in Moskau.

Das herausragende Ergebnis des ersten Halbjahres könnte womöglich eine "neue Ära auf Russlands Investmentmarkt" einläuten, glaubt man bei CBRE. Denn nicht nur Einzelhandelsobjekte, sondern auch Lagerflächen, Büros und Hotels waren bei Anlegern gefragt. "Der Markt öffnet sich mehr und mehr für ausländische Investoren", sagt auch Michael Lange, Leiter des Moskauer Büros von Immobilienberater Jones Lang Lasalle (JLL), und das, obwohl inländisches Kapital in ausreichendem Maße vorhanden sei. Man habe erkannt, dass nur derjenige auf dem globalen Anlage-Parkett mitspielen könne, der auch internationalen Kapitalgebern Zugang zum Markt biete.

Dennoch gestaltet sich der für Ausländer noch immer schwierig. Insbesondere die großen institutionellen Anleger beklagen den vergleichsweise intransparenten Markt. So liegt Russland im so genannten Transparenz-Index von JLL nach wie vor auf einem der hinteren Plätze, nur knapp vor Ländern wie der Slowakei oder der Türkei. Allerdings konnte sich das Land zuletzt um einen Rang verbessern und gilt jetzt nicht mehr als "wenig", sondern bereits als "semi-transparent". Der Abbau von Bürokratie, Handelsbarrieren und Korruption indes gilt nach wie vor als wichtigste Voraussetzung, um auch sicherheitsorientierte Investoren wie etwa deutsche offene Immobilienfonds ins Land zu locken.

Bereits seit einigen Jahren verfolgen sie die Entwicklung in der russischen Hauptstadt und warten auf ihre Chance. "Der Moskauer Büromarkt ist einer der dynamischsten Europas, wo wir großes Potenzial sehen", urteilt Degi-Analyst Beyerle.

Denn die Renditen in der russischen Hauptstadt sind nach wie vor zweistellig: Während der nächsten beiden Jahre, so die Annahme von CBRE, werden Investoren immer noch mit einer Verzinsung zwischen zehn und elf Prozent rechnen können. Verglichen mit anderen osteuropäischen Ländern ein Spitzenwert. Dort nämlich rentierten sich Büroinvestments ähnlich wie in westeuropäischen Städten zwischen fünf und sieben Prozent.

Der Bedarf an Büroflächen dürfte dabei in der Stadt weiterhin hoch bleiben und für wachsende Mietpreise sorgen: Weil bereits seit einigen Jahren die Neubautätigkeit nicht mehr mit der enormen Nachfrage nach Büroflächen mithalten kann, "sind die Leerstandsraten sehr niedrig und die Mieten steigen zum Teil kräftig an", erläutert Andreas Ridder, verantwortlich für Zentral- und Osteuropa bei CBRE. "Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen."

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