Hohe Schulden und niedrige Bewertungen
Britische Immobilientrusts zapfen die Börse an

Die großen britischen Immobilienfirmen liefern sich einen Wettlauf um frisches Kapital. Drei der fünf größten Unternehmen der Branche haben in den vergangenen Tagen Kapitalerhöhungen angekündigt, die anderen beiden denken darüber nach. Analysten zweifeln, ob die Börse die gewünschten Milliardensummen bereitstellen wird.

LONDON. Die britischen Immobilienfirmen müssen ihre Schuldenlasten abbauen, um dem dramatischen Verfall der Immobilienpreise in Großbritannien Rechnung zu tragen.

Am Donnerstag veröffentlichte Land Securities, der größte Real Estate Investment Trust (Reit) des Landes, Pläne für eine Kapitalerhöhung von 756 Mio. Pfund (844 Mio. Euro). Der Ausgabepreis für die neuen Aktien beträgt weniger als die Hälfte des Schlusskurses vom Mittwoch. Land Securities hatte Ende September eine Schuldenlast von gut fünf Mrd. Pfund.

"Der Wertverfall der britischen Gewerbeimmobilien war im letzten Jahr der schlimmste seit 80 Jahren", sagte Land-Securities-Chef Frank Salway. "Wir haben eine realistische Sichtweise eingenommen und das Unternehmen für künftiges Wachstum positioniert." Das Unternehmen schätzt, dass sein Portfolio an Bürogebäuden und Einkaufszentren allein von Anfang Oktober bis Ende Januar ein Fünftel an Wert verloren hat. Es hat im Januar bereits die Outsourcing-Tochter Trillium für 444 Mio. Pfund verkauft, um Schulden abzuzahlen.

In der vergangenen Woche haben bereits die beiden Konkurrenten British Land und Hammerson Kapitalerhöhungen im Volumen von zusammen 1,3 Mrd. Pfund angekündigt. Weitere hunderte Millionen Pfund versuchen kleinere Immobilienfirmen einzuspielen.

Der größte Besitzer von Einkaufszentren in Großbritannien, Liberty International, teilte am Donnerstag mit, dass er verschiedene Wege prüft, um zusätzliches Kapital hereinzuholen. Ähnlich haben sich Brixton, der führende Besitzer von Lagerhäusern, und Segro, Spezialist für Business-Parks, geäußert.

Damit bestätigen sich die Prognosen vieler Analysten. Einen Kapitalbedarf von 13,7 Mrd. Pfund für die im FTSE-350-Index vertretenen Immobilienfirmen errechnete im Januar Merrill-Lynch-Analyst Bernd Stahli. Allein die fünf großen Reits, Land Securities, British Land, Hammerson, Liberty International und Segro, kommen zusammen auf eine Schuldenlast von 19 Mrd. Pfund. Nach Analyse des Bankhauses Nomura werden 700 Mio. Pfund im laufenden Jahr fällig. Angesichts der Flut an Kapitalerhöhungen fürchten Analysten, dass nicht alle Unternehmen zum Zuge kommen werden. Sie rechnen deshalb mit weiteren Notverkäufen zu kräftigen Abschlägen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%