Hongkong
Kapitalflut lässt Immobilienpreise explodieren

Immer mehr internationale Firmen, die am chinesischen Wirtschaftswunder teilhaben wollen, zieht es nach Hongkong. Das treibt die Miet- und Kaufpreise für Büros auf ungeahnte Höhen. Nun setzen sich die Bürger zur Wehr.
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PekingHongkongs Bürger haben genug: Am Samstag soll ein Demonstrationszug in der Hongkonger Innenstadt gegen die „Herrschaft der Immobilienlöwen“ starten. Bürger aller Altersgruppen wollen erst eines der teuersten Bürogebäude ausbuhen – den New World Tower im Bezirk Central. Dann wollen sie vor die Büros der Bauaufsicht ziehen und dort ihre Forderung nach strengerer Regulierung vorbringen. Pikantes Detail: Die Polizei hat die wütenden Bürger aufgefordert, die Firmenzentrale des reichsten Immobilieninvestors Asiens, Li Ka-Shings, bei ihrer Kundgebung zu umgehen. Ein Protest vor seiner Haustür ist politisch unerwünscht.

Die Demonstranten haben Recht: Hongkong bekommt seinen Immobilienmarkt ganz offensichtlich nicht unter Kontrolle. Obwohl die Preise für Gewerbeimmobilien bereits Weltrekorde erreichen, bezahlen die Anleger für Premiumlagen immer höhere Summen. „Der Markt hat weiterhin viel Auftrieb“, sagt Simon Smith, Analyst bei dem Immobiliendienstleister Savills. Grund ist ein gewaltiger und anhaltender Zufluss an Kapital in die chinesische Finanzoase.

Die Stadt wird förmlich mit Kapital überschwemmt

Das Geld kommt buchstäblich aus allen Himmelsrichtungen. Auf der einen Seite investieren reiche Chinesen aus der Volksrepublik in Hongkong ihr Vermögen. Doch auch aus dem übrigen Asien und aus westlichen Ländern fließt pausenlos Geld in den Stadtstaat – beispielsweise von Anlegern, die an der Erfolgsgeschichte Chinas teilhaben wollen. Wegen des regen Marktes weiten auch die internationalen Investmentbanken ihr Geschäft aus – und die wiederum benötigen massenhaft Bürofläche in bester Lage.

Auch amerikanische Hedge-Fonds sind mit repräsentativen Büros vertreten. Die Banken aus Festlandchina lassen sich ihr Engagement sogar extra viel kosten: Sie legen Wert darauf, gleich einen eigenen Turm mit Namensrechten zu besitzen. Ein Beispiel ist der Bank of China Tower, der mit 367 Metern Höhe selbst in Hongkong auffällt.

Die Kapitalflut trifft damit auf real steigenden Bedarf an Flächen. Die deutlichsten Auswirkungen hat dies im Geschäftsviertel Central. „Hier zeigt sich vor allem die starke Nachfrage von Finanzinstitutionen“, sagt Smith. Die Leerstandsquote liegt unter 3,4 Prozent – aus Sicht der Branche ein Traumwert. Die Mieten steigen daher schnell an. Sie überschreiben bereits locker den Wert von 150 Hongkong-Dollar pro Quadratfuß (45 Euro pro Quadratmeter).

Die Regierung beobachtet die Gefahr der Blasenbildung mit Sorge. „Die Preise werden nicht ewig steigen“, warnt Finanzminister John Tsang. „Es wird nicht immer so viel Liquidität verfügbar sein.“ Seit November vergangenen Jahres lässt Tsang eine Sondersteuer auf Immobilientransaktionen erheben und in Landauktionen regelmäßig neue Parzellen aus Staatsbesitz auf den Markt bringen, um das Angebot zu verbessern.

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Beängstigend enge Gebäude

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