Hotel statt Büro
Minibar und Bett verdrängen Schreibtisch

In Berlin und in Frankfurt wurden Projekte bereits erfolgreich umgesetzt, die leerstehende Räume umwidmeten.

HB KÖLN. Die wenigsten Gäste des Berliner Park Plaza werden es ahnen, und auch wer künftig im Adina Apartment Hotel in Frankfurt sein Haupt zur Nacht bettet, muss ein Insider sein, um zu wissen, dass hier statt Betten einst Schreibtische standen. Die beiden Hotels sind nur zwei Beispiele für einen Trend, dessen Motor die aktuelle Flaute auf den Büroimmobilienmärkten ist. "Noch vor fünf Jahren wäre niemand auf den Gedanken gekommen, in den Berliner Wallhöfen oder dem Bieger-Haus in Frankfurt ein Hotel zu betreiben", sagt Jürgen Baurmann, Leiter Jones Lang Lasalle Hotels Deutschland (JLL).

Mitten im Frankfurter Bankenviertel gelegen, hatte sich hier über viele Jahre die Dresdner Bank eingemietet. Doch zuletzt fand Eigentümer Axa Versicherung AG keine Nachmieter mehr. "Gegen eine weitere Büronutzung sprach das große Flächenangebot in Frankfurt", sagt Christian Graf von Wedel, Geschäftsführer der Graf von Wedel & Schulze-Oechtering Immobilienberatung (WSO). Als Alternative wurde eine Hotelnutzung ins Auge gefasst und schließlich ein Investor gefunden: Die australische Toga-Gruppe, die auf ihrem Heimatkontinent und in Europa verschiedene Apartment-Hotels betreibt, wird im Gebäude ein Adina Apartment Hotel der Vier-Sterne-Kategorie mit 130 Zimmern, Restaurant, Bar und Wellnessbereich einrichten.

"Das Objekt ist eine hervorragende Immobilie in sehr guter Lage", lobt JLL-Hotelexperte Baurmann und ergänzt: "Erst nachdem die Büromieten auf das derzeit vergleichsweise niedrige Niveau gesunken sind, rechnet sich die Hotelnutzung." Denn die Investitionskosten sind hoch: Sie liegen bei 1 400 Euro pro Quadratmeter Fläche inklusive Umgestaltung der Fassade. "Ein Neubau mit Grundstücksanteil wird mit rund 2 500 Euro pro Quadratmeter veranschlagt", sagt Baurmann.

Auf welchen Preis sich Verkäufer und Käufer am Ende einigen können - und ob der Verkauf überhaupt zustande kommt - hängt dabei insbesondere von der Leidensfähigkeit des Eigentümers und dem Buchwert der Immobilie ab: "Manchmal kann es auch sinnvoller sein, ein Objekt zu halten und es mit Abschlag weiter als Büro zu vermieten." Biete sich aber ein zweites Leben als Hotel an, sei der Zeitpunkt zum Verkauf derzeit so gut wie "seit zehn Jahren nicht", meint der JLL-Spezialist: "Internationale Investoren zahlen extrem hohe Preise."

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