Hypotheken-Skandal
Staatsanwälte gehen gegen Räumungen vor

Alle 50 US-Bundesstaaten schließen sich zusammen, um den Hypotheken-Skandal aufzuklären. Den Staaten geht es zunächst um die Frage, ob Hypothekendienstleister zur Beschleunigung von Zwangsvollstreckungen falsche Angaben in Dokumenten gemacht haben. Auch Anwaltskanzleien sind auf die Fälle aufmerksam geworden und prüfen Sammelklagen.
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NEW YORK. Generalstaatsanwälte aus allen 50 US-Bundesstaaten haben gemeinsame Ermittlungen im Hypotheken-Skandal eingeleitet. Im Zentrum werden dabei Institute wie JP Morgan Chase, Bank of America und Ally Financial stehen, sagte der Generalstaatsanwalt aus Iowa, Tom Miller, im US-Fernsehen. Die Staatsanwälte seien jedoch auch mit anderen betroffenen Firmen in Kontakt.

Den Staaten geht es zunächst um die Frage, ob Hypothekendienstleister falsche Angaben in Dokumenten gemacht haben, um Zwangsvollstreckungen zu beschleunigen. Auch Anwaltskanzleien sind auf die Fälle aufmerksam geworden und prüfen Sammelklagen.

Dies ist aber nur ein Teil des Problems. Die Berichte über Unregelmäßigkeiten bei einigen Banken haben auch die Frage aufgeworfen, inwieweit sie gegenüber Investoren haftbar zu machen sind, wenn grobe Fehler bei der Dokumentation auftauchen. Der Großteil der Hypotheken wurde in den vergangenen Jahren zu Wertpapieren gebündelt und weiterverkauft. Einige Experten fordern nun die Regierung auf, einen Zuständigen zu benennen, um solche Fragen grundlegend zu klären und einheitliche Regeln zu schaffen.

"Hier geht es nicht nur um eine Panne beim Papierkram. Hier geht es auch um einige Firmen, die das Gesetz brechen, und um viele Leute, die ihr Haus verlieren", sagte Miller, der die Gruppe leitet. Die Bank of America, Ally und JP Morgan haben in den vergangenen Tagen Zwangsräumungsprozesse in allen oder fast allen Bundesstaaten gestoppt.

Hypothekendienstleister sind verpflichtet, bestimmte Informationen über die Besitzer von Hypotheken zu archivieren. Zudem müssen sie versichern, dass ein Mitarbeiter die Fakten des Falles kennt, bevor eine Zwangsräumung eingeleitet werden kann.

Ein Mitarbeiter des Hypothekenarms von Ally Financial hatte zugegeben, mit seinem Team bis zu 10.000 Dokumente im Monat ohne genauere Prüfung unterschrieben zu haben - und das über fünf Jahre. In anderen Fällen sollen Mitarbeiter Papiere und Unterschriften gefälscht haben, um die bürokratischen Prozesse zu beschleunigen. Politikern zufolge könnten Hunderttausende Amerikaner zu Unrecht ihre Häuser verloren haben. Ally Financial war einst der Finanzierungsarm des Autobauers General Motors (GM) und firmierte unter dem Namen GMAC. In der Finanzkrise musste GMAC mit 17 Milliarden Dollar an Staatsgeldern gestützt werden.

Mehrere Anwaltskanzleien erwägen derzeit, Sammelklagen gegen die Institute einzureichen. So könnten sie die Vorwürfe von Tausenden Hausbesitzern bündeln und möglicherweise Milliarden erstreiten. Das Vorhaben ist jedoch kompliziert: Die Bundesstaaten haben unterschiedliche Gesetze, viele verschiedene Hypothekendienstleister sind involviert, und die Situation der Hausbesitzer ist nicht immer vergleichbar. Eine Kanzlei aus San Francisco kündigte dennoch an, dass ihr Antrag auf eine Sammelklage unmittelbar bevorstehe.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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