Hypothekenkredite zu Sparbuchzinsen
Variable Darlehen: Verlockende Versuchung

Billiger geht's kaum. Mit Baugeld ab zwei Prozent werben derzeit viele Kreditinstitute und-vermittler. Und der Kunde reibt sich verwundert die Augen. Zwar sind Hypothekenkredite hierzulande so günstig wie kaum zuvor - aber zwei Prozent? Für die klassische Variante mit zehnjähriger Zinsbindung sind momentan im Schnitt rund 4,5 Prozent Zinsen fällig, also mehr als das Doppelte. Wie geht das?

DÜSSELDORF. Wie das geht? Mit einem variablen Darlehen. Dabei richtet sich der Zins nach den Sätzen, den sich die Banken untereinander berechnen, dem sogenannten Euribor. Und dieser Referenzzins ist seit dem Höhepunkt der Finanzkrise massiv gefallen. Dreimonatsgeld leihen sich die Banken in der Euro-Zone derzeit für weniger als 1,3 Prozent. Dies ist ein Ergebnis der drastischen Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank. Zudem haben die Notenbanken rund um den Globus die Geldmärkte mit Liquidität förmlich überschwemmt.

So verzeichnen Vermittler wie die zum ING-Konzern zählende Interhyp ein deutlich gestiegenes Interesse an variablen Baudarlehen. Auch die jüngsten Zahlen aus der Transaktionsplattform Europace des Berliner Finanzdienstleisters Hypoport legen nahe, dass die Nachfrage nach variablen Darlehen seit Jahresanfang ansteigt, obwohl die klassischen Annuitätendarlehen bei weitem dominieren.

Doch warnen Finanzexperten und Verbraucherschützer vor Risiken und Nebenwirkungen dieser Finanzierung. "Es handelt sich um eine Zinswette", sagt Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg. In der Tat, der momentan günstige Zins gilt in der Regel nur für drei Monate. Dann wird er jeweils wieder neu an den Dreimonats-Euribor angepasst. Das kann eine Weile gutgehen, wenn die Zinsen gleich bleiben oder sinken. Aber es kann teuer werden, wenn die Zinsen steigen. Und bei einem Euro-Leitzins von einem Prozent bleibt nicht mehr viel Spielraum nach unten. Aber wenn durch die Geldspritzen der Notenbanken und die Billionen-Konjunkturprogramme vieler Staaten die Inflation wieder steigt - was nicht wenige Ökonomen befürchten - dann verteuern sich auch die Kredite entsprechend.

"Wer wenig Luft hat, der sollte die Finger davon lassen", warnt Verbraucherschützer Scobel. "Sonst fliegt ihm die Finanzierung um die Ohren, wenn die Zinsen steigen." Interhyp-Sprecherin Heidi Müller argumentiert ähnlich: "Solche Darlehen eignen sich nur für Leute, die auch den Zinsmarkt beobachten."

Das heißt wohl auch, dass die meisten Baufinanzierer mit der Kalkulationssicherheit traditioneller Annuitätendarlehen mit zehn- oder 15-jähriger Zinsbindung besser bedient sind. Max Herbst, der Chef der Frankfurter FMH Finanzberatung sagt, er sei kein Freund variabler Darlehen. "Denn die meisten Leute verpassen den Zug." Sprich, sie werden vom Zinsanstieg überrascht und zahlen dann im Vergleich zum herkömmlichen Hypothekenkredit drauf. So sind die Kurzfristzinsen, gemessen am Euribor, in den vergangenen zehn Jahren etwa schon zweimal in relativ kurzer Zeit über die Fünf-Prozent-Markte gestiegen. Wenn so etwas passiert, steigt die Monatsrate exorbitant.

Vorteile bietet ein variables Darlehen, wenn in nächster Zeit höhere Zahlungen anstehen oder etwa ein höherer Betrag , etwa aus einer Geldanlage, fällig wird, den man in die Finanzierung einbauen will. Denn ein Euribor-Darlehen lässt sich meist alle drei Monate ganz oder teilweise tilgen, ohne dass hohe Vorfälligkeitsentschädigungen wie beim Annuitätendarlehen fällig werden.

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