IHK-Lehrgang
So werde ich Immobilien-Makler

Die Immobilienbranche boomt und jeder will etwas vom Kuchen haben. Doch ein Makler hat es gar nicht so leicht. Wie man zwischen Zierfischen und Zwangsversteigerung überleben kann, zeigt ein IHK-Zertifizierungslehrgang.
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Ein grauer schneematschiger Winter-Samstagmorgen, an dem man am liebsten im Bett bleiben möchte. So sieht das gute Dutzend von Leuten zwischen Mitte 20 bis Ende 60 auch aus, das in der Düsseldorfer Bahnhofsgegend neuen Zielen zustrebt. Nahziel: das IHK-Bildungszentrum. Fernziel: Makler werden, mitkassieren im boomenden Immobiliengeschäft. Die entsprechenden Finessen und Formularvordrucke gibt’s im „Zertifikatslehrgang für Immobilienmakler“. Dauert ca. 10 Wochen, montags von 17.30 bis 20.45 Uhr, samstags von 9. bis 16.30 Uhr.

Früher hieß es mal: Wer nichts wird, wird Wirt. Die Erfahrung hat gezeigt: Wird meist doch nichts. Deshalb heißt’s heute: Das makeln wir schon. Die IHK, indem sie an Berechtigte, die zum Beispiel schon lange arbeitssuchend sind, Bildungs-Gutscheine verteilt. Dann kostet der rund 1000 Euro teure Kurs nur noch die Hälfte. Die Lehrgänge sind rasch ausgebucht.

Die meisten, die künftig mitmakeln wollen, kommen aus ganz anderen Berufen. Und kleineren Städten. In Metropolen wie Düsseldorf ist der Kuchen längst verteilt, die Rosinen rausgepickt. Aber auf dem Land, da läuft vielleicht noch was. Versprechen sich viele. Da ist der fesche junge Mann mit Migrationshintergrund, dessen Vater die Geduld mit dem ewig Studierenden verloren hat. Der soll jetzt lieber bei ihm einsteigen. Papa makelt nämlich schon. Mit Erfolg.

Deshalb macht sich Sohnemann erst mal keine Sorgen, sieht alles ganz locker und samstags manchmal so aus, als ob er gerade aus der Disco kommt. Anders die allein erziehende Mutter vom linken unteren Niederrhein mit der langen Anfahrt auf Winterreifen. Deren Sportgeschäft läuft nicht so richtig, deshalb will sie jetzt „was anderes“ machen. Möchte auch die penible Kultur-Schaffende, deren anspruchsvolle Ausbildung mit ihrer derzeitigen Assistententätigkeit nicht in Einklang zu bringen ist. Makeln statt Mobbing? Einer züchtet Zierfische. Will er auch weiter machen. Aber nicht nur. Zierfische vermehren sich ja praktisch von selbst und mit ihnen der Gewinn.

So soll’s auch beim zweiten Bein sein, den Zwangsversteigerungen. Das Konzept: billige Butzen erstehen, mit den Kumpels schön herrichten, dann teuer vermieten oder verkaufen. Der Mann weiß eigentlich schon, wo der Hammer hängt, und wo man zuschlägt, ihm fehlt nur noch der seriöse professionelle Anstrich. Auf IHK-Papier. Wie dem ehrgeizigen mittelalten Pärchen, das auch schon „länger nebenbei in Immobilien macht“. Oder der junge Kerl, der schon „einiges ausprobiert“ hat und sich einen Job in dem Immobilienbüro versprochen hat, in dem er mal aushelfen durfte. Hat aber nicht geklappt. Aber mit so einem Schein von der IHK, da ist man doch automatisch wer. Oder?

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Kommentare zu " IHK-Lehrgang: So werde ich Immobilien-Makler"

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  • Fraglich wie die zu den Zahlen kommen, in München Lehel, Neuhausen und auch Schwabing gibt es eigentlich gar keine "140qm Häuser" - wenn mal eines zu verkaufen ist, kommt das eigentlich nicht auf den offenen Markt ...

  • Teuer vermitteltes Wissen via IHK oder sonstiger Institute. Meines Erachtens kann man sich das nötige Wissen auch durch den Erwerb und das Studium diverser Bücher und/oder spezieller Services (z.B. vom Haufe-Verlag) wesentlich günstiger selbst aneignen.

    Ich habe selbst viele Jahre als Makler meine Brötchen verdient. Dann recht spät über ein Institut eine Weiterbildung zum Fachwirt absolviert. - Offen gesagt, wirklich Neues habe ich nicht dabei gelernt. Das Ganze war für mich eher eine Bestätigung, dass ich kaum Wissenslücken hatte. - Das Resultat, ein sehr teurer "Pappdeckel", auch Urkunde genannt.

    Wäre ich ein besserer Redner und sicherer im Auftritt vor vielen Leuten, würde ich solche Kurse geben und nix verkaufen. - Lieber die Frontkämpfer unterstützen als selbst an der Front verenden.

  • Nach der Grundschule abgehen und einen auf Geissen´s machen - das ist das Erfolgsrezept dieser völlig überschätzten Aufschneidergilde.

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