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08.06.2008 
Sanieren

Im Altbau Energie sparen

von Susanne Bergius

Wärmedämmende Maßnahmen zahlen sich aus - vor allem in alten Wohnungen. Doch noch hat sich diese Erkentniss kaum in der Praxis durchgesetzt. Nur wenige Hausbesitzer nutzen das volle Energie- und Kostenspar-Potential bei Renovierungen.

Bei Sanierungen wird meist zu wenig aufs Energiesparen geachtet. Foto: dpaLupe

Bei Sanierungen wird meist zu wenig aufs Energiesparen geachtet. Foto: dpa

BERLIN. Drei Viertel der Eigenheime in Deutschland sind älter als 25 Jahre. Wohnen verschlingt ein Fünftel des gesamten deutschen Energieverbrauchs. Die Bewohner von Altbauten verheizen 150 bis 250 Kilowattstunde (kWh) pro Quadratmeter (qm) jährlich - weit mehr als die Nutzer moderner Wohnungen. Ein teurer Spaß.

Denn die Energiepreise sind in den vergangen 25 Jahren kräftig gestiegen. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes wurde Heizöl in dieser Zeit 111 Prozent, Erdgas 68 Prozent und Strom 61 Prozent teurer. Es ist zu befürchten, dass die Energiekosten künftig noch sehr viel schneller klettern.

Die Familie Fischer-Espey hat reagiert. Obwohl Altbauten nicht die allerbesten Voraussetzungen für Energiesparmaßnahmen mitbringen, hat sie ihr 1938 gebautes Drei-Familien-Haus voll saniert. Heute verbraucht es nur noch 58 kWh/qm - fast 40 Prozent weniger als die Energieeinsparverordnung (EnEV) für Neubauten vorschreibt. Der Energieausweis zeigt "grün". "Das erhöht den Miet- und Gebäudewert", sagt die Architektin Barbara Thiele-Höfler.

Um die Investitionskosten von mehr als 100 000 Euro nicht auf einen Schlag finanzieren zu müssen, wurde die Sanierung des 237 qm großen Gebäudes über mehrere Jahre gestreckt. Nach und nach wurden Wärmeschutzfenster eingesetzt, eine zentrale Gasbrennwerttherme installiert und im vergangenen Jahr Gebäudehülle inklusive Dach und Kellerdecke voll gedämmt. Eine Besonderheit ist die Wohnraumlüftung: das geräuschlose Gerät überträgt bei Kälte 90 Prozent der Abluftwärme auf die Frischluft und in der warmen Jahreszeit kühlt die Lüftung über einen Erdspeicher. Hinzu kamen Solarkollektoren und ein Scheitholzkessel, der je nach Nutzerverhalten das Haus komplett heizen könnte. Damit übertrifft es bereits die ab 2010 vorgeschriebene zehnprozentige Nutzung erneuerbarer Energien zur Heizung. Die jährlichen Einsparungen bei den Energiekosten betragen nun etwa 60 Prozent oder 1 600 Euro. Nach der Sanierung konnten die Espeys die Miete für eine Wohnung um 14,5 Prozent anheben. "Künftig werden Objekte mit schlechten Verbrauchsdaten nur sehr schlecht oder gar nicht mehr vermietbar sein", erwartet Architektin Thiele-Höfler.

Diese Auffassung ist weit verbreitet. Doch Studien zu tatsächlichen Wertsteigerungen oder höheren Mieten infolge energetischer Sanierung gibt es nicht. Zwar dürfen Vermieter die Miete um elf Prozent erhöhen. Doch das sei meist nicht durchzusetzen, sagt Andreas Stücke, Generalsekretär der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund. Für zwei Drittel aller Hausbesitzer sei ein niedriger Energiebedarf trotzdem wichtig und jeder dritte Modernisierungswillige sei bereit, den Energieverbrauch der eigenen vier Wände zu senken, ergab eine Umfrage der Bausparkasse Schwäbisch-Hall. Das Institut schätzt das Investitionsvolumen auf 60 Mrd. Euro in den nächsten fünf Jahren.

Noch sieht die Praxis anders aus: "Bei Altbausanierungen werden nur 32 Prozent der möglichen Energieeinsparungen erzielt", bemängelt Patrick Hansen vom Forschungszentrum Jülich. Nur wenn Sanierungsquote und-qualität auf 65 Prozent stiegen, sei im Wohnimmobilienbereich eine Minderung der Kohlendioxid-Emissionen um 43 Prozent bis 2030 möglich.

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