Immense Mittelabzüge
Finanzkrise zwingt Kanam zu Fondsschließungen

Die Fondsgesellschaft Kanam friert einen Tag nach dem offenen Immobilienfonds "US-Grundinvest" uch den "Grundinvest"-Fonds ein. Die Gesellschaft begründet den Schritt mit hohen Mittelabflüssen. Die Liquidität in den Fonds war bedrohlich zusammengeschmolzen.

HB FRANKFURT. Die Fondsgesellschaft Kanam hat innerhalb nur weniger Tage einen zweiten offenen Immobilienfonds vorübergehend eingefroren. Die Rücknahme von Anteilsscheinen des Fonds "Grundinvest" werde ab sofort "zum Schutz der Anleger" ausgesetzt, teilte Kanam am Dienstag in Frankfurt mit. Das Fondsmanagement sei zu dieser Maßnahme gezwungen gewesen, um die ordnungsgemäße Verwaltung und Fortführung des Fonds sicherzustellen, heißt es in der Mitteilung. Erst vor wenigen Tagen hatte Kanam bereits den Fonds "US-Grundinvest" eingefroren, bei dem Anleger US-Dollar in amerikanische Mietobjekte investieren können.

In erster Linie seien massive Anteilsrückgaben der Anleger im Zuge der Finanzkrise für den Schritt verantwortlich. Die Aussetzung der Rücknahme sei zunächst auf drei Monate befristet. Gleichwohl erfolge weiterhin eine tägliche Feststellung und Fortschreibung des Anteilpreises. Auch Einzahlungen seien weiter möglich. Der Kanam Fonds "Grundinvest" ist spezialisiert auf Mietobjekte in Europa und Nordamerika.

Mit hohen Mittelabzügen hatte Kanam am Montag bereits die Schließung des "US-Grundinvest" begründet. Die Liquidität sei von mehr als 30 Prozent im September drastisch gesunken, hieß es ohne genauere Angaben. Die Rücknahme von Anteilsscheinen werde daher zum Schutz der Anleger zunächst auf drei Monate ausgesetzt. Branchenkreisen zufolge liegt die Liquidität des Fonds derzeit noch zwischen fünf und zehn Prozent.

Der US-Grundinvest verwaltet den Angaben nach ein vergleichsweise kleines Fondsvermögen von aktuell 610 Millionen Dollar. Der Fonds ist Kanam zufolge der einzige offene Immobilienfonds in Deutschland, bei dem Anleger US-Dollar investieren. Der zuletzt stark gestiegene Dollar habe die Rendite für hiesige Anleger nach oben getrieben. "Auf Zwölfmonatssicht haben Anleger mit dem Fonds eine Rendite von rund 20 Prozent eingefahren", sagte ein Kanam-Sprecher. "Davon entfallen 6,2 Prozent rein auf die Immobilienanlagen und der Rest auf Währungseffekte."

Die Anlageobjekte liegen dem Sprecher zufolge in den USA und in Kanada, hauptsächlich sei in Büro- und Einzelhandelsimmobilien investiert. Die Immobilien seien zu 99 Prozent vermietet. Es gebe keine Mietausfälle.

Kanam war im Zuge der Krise der Offenen Immobilienfonds im Jahr 2006 schon einmal in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte die Gesellschaft nach einer negativen Studie des Finanzanalysehauses Scope massive Abflüsse aus den gleichen beiden Fonds verbucht, die sie jetzt vorübergehend geschlossen hat. Auch damals hatte sich die Gesellschaft gezwungen gesehen, den "Grundinvest" und den "US-Grundinvest" zu schließen.

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