Immer mehr Banken veräußern notleidende Darlehen
Auch faule Kredite schmecken Investoren

In den USA, Japan und dem europäischen Ausland ist das Geschäft mit faulen Krediten längst etabliert. Seit einem guten Jahr entdecken nun auch deutsche Banken den Charme des Verkaufs notleidender Immobilienkredite, so genannter Non Performing Loans (NPL). Denn davon haben sie wahrlich ausreichend in ihren Büchern.

DÜSSELDORF. Auf bis zu 250 Mrd. Euro schätzt etwa die internationale Immobilienberatungsfirma DTZ Zadelhoff Tie Leung das NPL-Volumen in den Portfolios deutscher Banken. Ein Volumen, das nicht nur in den Bilanzen unschön wirkt, sondern vor dem Hintergrund verschärfter Eigenkapitalregeln (Basel II) auch die unternehmerische Handlungsfreiheit der Kreditinstitute deutlich einschränkt. Wer die Problemdarlehen indes veräußert, steht bilanziell deutlich besser da und kann deshalb wieder mehr neue Kredite zu wettbewerbsfähigen Konditionen vergeben.

Warum aber sollte irgend jemand daran interessiert sein, Bankforderungen zu erwerben, die nicht mehr oder nicht ausreichend bedient werden? Die Antwort ist einfach: Der Gewinn für den Käufer ergibt sich aus dem Abschlag, den er mit dem Verkäufer auf den Nominalwert des NPL-Paketes aushandelt. Der besondere Charme immobilienbesicherter Kredite liegt auf der Hand: Selbst wenn der Schuldner sein Darlehen mit keinem müden Cent mehr bedient, so kann der Gläubiger doch immerhin mit den Erträgen rechnen, die Grundstück und Gebäude abwerfen. Stimmt also der Kaufpreis und kann überdies ein auskömmlicher Cash-flow aus der Vermietung oder Verpachtung - wahlweise auch eine Gewinnmitnahme aus dem Verkauf - der Immobilien erwartet werden, so lohnt sich das Geschäft für den Investor durchaus.

Es sind insbesondere angloamerikanische Investoren, die das Geschäft mit den faulen Krediten hier zu Lande betreiben. "Lone Star, Cerberus, Goldman Sachs oder JP Morgan zeigen enormes Interesse an einer Diversifikation ihrer Portfolios über hiesige Engagements und preschen verstärkt als Käufer in den deutschen Markt vor", erklärt Carsten Brinkmann, Geschäftsführer der Kölner Terranus/Tagos-Gruppe, die Kauflust der Angloamerikaner.

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