Immobilen
Deutsche Wohnen AG ist auf Wohnungssuche

Während etliche Gesellschaften in der Krise Wohnungen verkaufen, will Deutschlands zweitgrößter Vermieter, die Deutsche Wohnen AG (Deuwo), den Bestand verdoppeln. Für seinen Expansionplan will Deuwo-Chef Michael Zahn das Eigenkapital der Wohngesellschaft erhöhen.

KÖLN. Michael Zahn, der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Wohnen AG (Deuwo), schwimmt gegen den Strom. Während andere Gesellschaften Wohnungen verkaufen wollen, will er kaufen. Die Branche fragt sich nun, womit er das Wachstum bezahlen will. Denn die Deuwo hat das Jahr 2008 mit einem Nettoverlust von 255,9 Mio. Euro beendet. Zudem drückt den zweitgrößten börsennotierten Wohnungsvermieter eine Schuldenlast von 2,1 Mrd. Euro. Doch Zahns Ankündigung wird ernst genommen. Er sei nicht der Mann, der gerne große Töne spuckt, heißt es in der Immobilienszene.

"Wir werden unser Portfolio ergänzen und ausbauen", sagte Zahn Anfang der Woche. Ziel sei es, den Bestand von derzeit 51 000 Wohnungen auf 100 000 zu verdoppeln. Doch dazu braucht das Unternehmen frisches Geld. "Wir müssen unser Eigenkapital erhöhen", gibt Zahn als Devise aus. Ihm schwebt eine Kapitalerhöhung im Volumen von 300 Mio. bis 400 Mio. Euro vor. Bei einer Marktkapitalisierung von knapp 300 Mio. Euro entspräche dies einer Verdopplung des Deuwo-Grundkapitals. Gelingt dies, rechnet Zahn vor, wären bei den derzeitigen Eigenkapitalanforderungen der Banken Zukäufe von etwa einer Mrd. Euro möglich.

Bei Aktienanalysten kommt die Wachstumsstory an. "Ich halte den Plan für keine schlechte Idee", sagt Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim und verweist auf die Chancen, die der Markt für Wohnimmobilien dank günstiger Preise derzeit biete. Ulrich Geis von der DZ Bank lobt Zahns Erfolge im operativen Geschäft: "Die Mieteinnahmen sind gestiegen, die Leerstände gesunken." Das habe dem Kurs gut getan: Nach dem Tiefpunkt von unter vier Euro im vergangenen Dezember notiert die Aktie gestern deutlich über zwölf Euro. Die geplante Kapitalerhöhung sorge endlich für "Kursphantasie", ergänzt Unicredit-Analyst Mathias Becker,

Skeptischer als die Börsianer beurteilen Immobilienprofis Zahns Pläne. Das benötigte Kapital in bar bei Investoren einzuwerben, sei im derzeitigen Börsenumfeld schwierig. "Woher soll das Geld kommen?", fragt etwa Stefan Mergen, Wohnungsmarktexperte bei Immobilienberater Jones Lang Lasalle. Als wahrscheinlicher gilt die Wiederholung eines bewährten Modells: Als Deuwo im Sommer 2007 die Berliner Wohnungsgesellschaft Gehag von Finanzinvestor Oaktree erwarb, wurde nur ein Teil des Kaufpreises in bar gezahlt. Für den Rest gab es Deuwo-Aktien, insgesamt 6,4 Mio. Stück, fast ein Viertel aller Anteile. Ein solches Verfahren sei durchaus wieder vorstellbar, bestätigt ein Deuwo-Sprecher die Spekulationen. Ob es bereits konkrete Gespräche gibt und mit wem, dazu hüllt er sich in Schweigen, bestätigt aber, dass man neben Berlin und dem Rhein-Main-Gebiet gern ein weiteres Standbein in Norddeutschland aufbauen wolle.

Das führt zu Spekulationen. Denn mancher internationale Investor hat bereits signalisiert, sich vom deutschen Markt ganz oder teilweise verabschieden zu wollen - oder zu müssen. Zum Verkauf stehen etwa Bestände des insolventen australischen Finanzinvestors Babcock & Brown und der pleitegegangene Berliner Level-One-Gruppe und darüber hinaus hat die börsennotierte Gagfah Verkäufe angekündigt. Doch Marktbeobachter winken ab, teils weil die Bestände nicht zur Deuwo passen, aber vor allem, weil die Verkäufer Bares sehen wollen.

Wahrscheinlicher ist da schon ein Deal mit Pirelli RE. Dem Vernehmen nach bereiten den Italienern die vor zwei Jahren gekauften Wohnungsgesellschaften Baubecon in Hannover und DGAG in Kiel mehr Frust als Freude. Die Restrukturierung der Unternehmen kommt nicht recht voran, daher würde auch ein Verkauf auf Aktienbasis Sinn machen, meint ein Kenner der Szene: "Man könnte das Managementproblem lösen und Zeit gewinnen." Die Berliner Deuwo-Zentrale will solche Vermutungen nicht kommentieren. Das Wachstumsprojekt stehe erst am Anfang und werde jetzt weiterentwickelt, heißt es dort.

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