Immobilien
Baugeld: Jetzt niedrige Zinsen sichern

Die aktuell niedrigen Zinsen können für Hausbesitzer teuer werden. Eine drohende Inflation könnte Immobilienkredite in den nächsten Jahren deutlich kostspieliger machen. Wie sich Kreditnehmer die aktuell niedrigen Zinsen für die nächsten Jahre reservieren können.

Jean-Claude Trichet hat entschieden. Der Chef der europäischen Zentralbank bleibt bei seiner Politik der niedrigen Zinsen, der Leitsatz unverändert bei einem Prozent. Was für die schwächelnde Wirtschaft aktuell gut ist, könnte sich für Immobilienbesitzer später rächen. Denn niedrige Leitzinsen sorgen für höhere Liquidität. Das kann bei einem Anspringen der Konjunktur in den nächsten Jahren zu einer Inflation führen.

Mit der Folge, dass dann das Zinsniveau deutlich steigt und auch Baukredite teurer werden. Schon im vergangenen Monat sind die Konditionen für Baugeld mit zehnjähriger Zinsbindung um 0,2 Prozent angestiegen. "Immobilienbesitzer sollten sich jetzt absichern", sagt Max Herbst, Inhaber der Finanzberatung FMH.

Auch Häuslebauer, deren Zinsbindung erst in einigen Jahren ausläuft, können jetzt aktiv werden. Mittels Forward-Darlehen können sie die aktuell niedrigen Zinsen für die nächsten Jahre reservieren. Das Modell funktioniert so: Der Kunde erhält ein Darlehen zum aktuellen Zins, das er erst in einigen Monaten oder Jahren abruft. Für jeden Monat Wartezeit verlangt die Bank einen Aufschlag auf den Zinssatz. Aktuell liegen die Sätze bei 0,01 bis 0,03 Prozent pro Monat Wartezeit. Einige Institute spendieren noch bis zu sechs aufschlagfreie Monate. Bis zu fünf Jahre können Kunden das Darlehen im Voraus buchen.

Immobilienbesitzer sollten aktuell einen Abschluss erwägen. "Die Aufschläge fallen momentan zwar recht üppig aus, können sich in der Zukunft lohnen", sagt Herbst. Die Kalkulation für Bauherren ist einfach: Wenn der Baugeldzins inklusive des Aufschlages bei Abschluss des Forward-Darlehens niedriger ist als der Zinssatz bei Abschluss des Anschlussdarlehens in der Zukunft sein würde, hat der Kunde ein gutes Geschäft gemacht.

Selbst kleine Zinsunterschiede haben in der Baufinanzierung große Wirkung. Bei einem Darlehen über 100 000 Euro macht ein Zinsunterschied von 0,5 Prozentpunkten in 15 Jahren Zinsbindung einen Unterschied von rund 10 000 Euro aus.

Da die Zinsen aktuell noch günstig sind, sollten Immobilienbesitzer Forward-Darlehen mit einer Zinsbindung von 15 Jahren bevorzugen. Diese Darlehen lassen sich nach Ablauf von zehn Jahren kündigen, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird. Vorsicht: Der Forward-Vertrag ist auch gültig, sollte am Ende der laufenden Zinsbindung dann die Bauzinsen günstiger sein, als das unterschriebene Forward-Darlehen.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
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