Immobilien-Bewertung
Sonnige Zeiten für grüne Gebäude

Auch Gewerbebauten müssen umweltverträglich sein: Niedriger Energieverbrauch und ökologisch nachhaltige Bauweise werden zum Qualitätsmerkmal. Investoren fürchten sich zunehmend vor ökologisch „zweitklassigen“ Gebäuden im eigenen Bestand.

DÜSSELDORF. Martin Sabelko ist Österreicher, verbringt aber die meiste Zeit in seinem Prager Büro. Von dort aus überblickt er die Immobilienmärkte Zentral- und Osteuropas. Er analysiert, wählt aus und setzt sich dann in den Flieger. Bukarest, Warschau, Krakau, Budapest, Moskau, Sofia stehen regelmäßig auf seinem Reiseplan. Die ING Real Estate Investment Management (ING REIM) gehört zu den weltweit größten Immobilieninvestmentmanagern, und Sabelko ist ihr Frontmann im Osten. Dass Flugreisen zu seinem Alltag gehören, stört ihn nicht. Wohl aber die schädlichen Folgen für das Klima. „Wir können nicht vollständig auf den Flieger verzichten. Aber immerhin suchen wir die Dienstwagen unserer 2 000 Mitarbeiter nicht nach dem Preis, sondern dem Ausstoß aus“, sagt er. Das gelte auch für Immobilien. „Wir kaufen keine Gebäude mit schlechter Energieperformance.“

Das strenge Urteil verwundert. Schließlich sind Immobilienleute bisher kaum als große Umweltschützer in Erscheinung getreten. Doch es findet ein Wertewandel statt, der erstmals in der Geschichte des modernen Bauens Öko-Immobilien salonfähig macht. „Das Thema Klimaschutz ist aus der ‚Birkenstock-Ecke' herausgekommen“, sagt Martin Brühl, Managing Partner beim Immobilienberater Cushman & Wakefield. Aber es fehle immer noch eine verbindliche Richtschnur, an der sich Immobilienbesitzer orientieren können. Australien und die USA sind ein paar Schritte weiter. Dort haben sich Zertifikate durchgesetzt, die Standards für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz definieren.

Weil die bei uns noch fehlen, lassen internationale Großkonzerne wie Siemens und die Citibank ihre Neubauprojekte nach dem US-amerikanischen Leed-Standard (Leadership in Energy and Environmental Design) zertifizieren. „Der Mangel an grenzüberschreitend akzeptierten Systemen in den europäischen Ländern stellt Investoren, die ihre Portfolios über den gesamten Kontinent gestreut haben, vor große Probleme“, sagt Chris Hiatt, International Director bei Jones Lang Lasalle. Gelöst werde müssen diese so oder so, sonst drohen „langfristige finanzielle Konsequenzen“, meint Hiatt. Verlagere sich nämlich die Nutzernachfrage auf „grüne Immobilien“, könnten bestehende Gebäude mit einer niedrigeren Effizienz-Bewertung für künftige Investoren weniger interessant sein. Es bilde sich eine Art „zweite Klasse“.

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