Immobilien
Boom der Shoppingcenter

Deutschlands Innenstädte und mit ihnen die Eigentümer klassischer Geschäftshäuser haben ein Problem: Neu gebaute Einkaufsparadiese in der City machen den traditionellen Bummelmeilen Konkurrenz und lassen dort die Mieten – und mit ihnen die Immobilienwerte – fallen.

HB DUISBURG. Gleichzeiten schließen mehr und mehr Geschäfte, wird das von Filialisten dominierte Warenangebot immer gleichförmiger. Entwickler großer Shoppingcenter finden indes bei Stadtoberen weiterhin Gehör und können ihre großflächigen Konsumstaubsauger mitten in die Innenstädte setzen.

Ein Ende dieses Trends scheint nicht in Sicht, wie eine neue Studie des bundesweit auf die Vermittlung von Einzelhandelsobjekten spezialisierten Maklerhauses Lührmann feststellt. So wird es in Deutschland bis zum Jahresende insgesamt 372 großflächige Shopping-Center mit rund 11,6 Mill. Quadratmetern Verkaufsfläche geben. Nachdem 2004 elf neue Center eröffneten, werden im laufenden Jahr noch einmal neun weitere hinzukommen.

Und der Center-Boom hält weiter an: Das Kölner Euro-Handels-Institut (EHI) rechnet damit, dass bis zum Jahr 2008 weitere 58 Center mit insgesamt 1,7 Mill. Quadratmetern neu eröffnen werden. Führend dürfte bei dieser Entwicklung die Hauptstadt Berlin sein. Hier sollen alleine in den kommenden vier Jahren zehn neue Einkaufstempel entstehen. „Dem innerstädtischen Einzelhandel kann man nur wünschen, dass die eine oder andere Planung möglicherweise nicht realisiert wird“, sagt Ansgar Meyer, Geschäftsführer von Lührmann Nord. Denn auch die Mieten in traditionell starken Innenstadtlagen kämen durch die Konkurrenz der Shopping-Center unter Druck, „wenn der Bogen bei der Genehmigung neuer Verkaufsflächen so überspannt wird wie in Berlin“, warnte er. Ähnlich sieht dies das Maklerunternehmen Comfort Holding. „Neue innerstädtische Kapazitäten führen immer zu einer nachhaltigen Verlagerung der Fußgängerströme, da automatisch diejenigen Straßen stärker frequentiert werden, die zum Shoppingcenter hin- oder wegführen“, heißt es in einem Marktbericht des Unternehmens. Die Folge sei, dass sich Lagequalitäten verschieben und Immobilien, die sich zuvor in 1A-Lage befunden hätten, durch Frequenz- und Umsatzeinbußen an Wert verlören.

„Mir ist nicht bekannt, dass eingesessene Cityhändler von der Popularität eines neuen Konsumtempels profitiert hätten“, analysiert Makler Eckhard Brockhoff aus Essen. Hier hat der Rat der Stadt vor kurzem den Bau des größten innerstädtischen Shoppingcenters Deutschlands abgenickt. 200 Geschäfte auf einer Fläche von 70 000 Quadratmetern bekommt die Revierstadt 2009 auf einen Schlag hinzu. Entstehen soll die 300 Mill. Euro schwere Gemeinschaftsentwicklung der Hamburger ECE Projektmanagement und der Karstadt Immobilien AG am zentral gelegenen Limbecker Platz. „Das städtebauliche Highlight wird dafür sorgen, dass mehr Kaufkraft sowie erhebliche Umsatzzuflüsse auch von außerhalb nach Essen kommen“, zeigt sich Georg Arens, Geschäftsführer der EWG Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft vom Vorhaben überzeugt. Auch werde die künftige Verbindungsachse zwischen City und dem neuen Einkaufszentrum, die Traditionsmeile Limbecker Straße, die Chance erhalten, sich neu zu positionieren. Ihm widerspricht Makler Brockhoff. Er bezeichnet das Großprojekt als „weiteren Schock für Essens Innenstadt“. „Das Center wird brummen und Mieter aus den traditionellen Lauflagen abziehen. Die übrigen Läden gehen dann leer aus“, so Brockhoff.

Unheil droht Essen auch von außerhalb. So scheint im benachbarten Duisburg die längst totgesagte ECE-Centerplanung „Multi Casa“ mit ebenfalls 70 000 Quadratmetern Shoppingflächen immer noch nicht komplett vom Tisch zu sein. Franz Lucien Mörsdorf, Geschäftsführer der Grundstückeigentümerin Aurelis Real Estate, will dort nach wie vor „etwas Vernünftiges realisieren“ . Auch im nahe gelegenen Oberhausen wird das Flächenangebot weiter anschwellen: Die bestehende Einkaufs-Mall Centro mit 83 000 Quadratmetern Verkaufsflächen soll um weitere 30 000 Quadratmeter vergrößert werden.

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