Immobilien
Boom oder Blase?

Die Geldschwemme der EZB hat für Deutschland unschöne Nebenwirkungen. Die Bundesbank und der Finanzminister warnen vor einer Immobilienblase. Was Hauskäufer jetzt beachten müssen.
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DüsseldorfBMW baut sich ein Hotel. Ein Haus mit 270 Zimmern auf drei Stockwerken, an der Hanauer Straße im Münchener Norden. Geplante Fertigstellung ist 2015. Der Autokonzern will nicht ins Hotel- und Gaststättengewerbe expandieren, er will Wohnraum für seine Belegschaft schaffen. Mitarbeiter, die nur kurz in der Stadt sind, aber auch neue Fachkräfte und Auszubildende sollen im eigenen Hotel unterkommen. Das spricht einerseits für die Fürsorge des Konzerns – noch mehr sagt es über den Immobilienmarkt an der Isar aus.

Wohnungen in München sind kaum bezahlbar, wenn man überhaupt eine findet. Die Häuserpreise liegen im Schnitt gut ein Fünftel höher als noch vor fünf Jahren. Makler berichten von Objekten, die für das 30-fache einer Jahresmiete den Besitzer wechseln. Damit ist München das extreme Beispiel einer Entwicklung, die alle Metropolen in Deutschland erfasst hat. Eine Auswertung des Verbandes der Pfandbriefbanken für Handelsblatt Online zeigt: Die Preise in den Metropolen explodieren. In München, Hamburg, Berlin und Frankfurt stiegen die Preise für eine Eigentumswohnung seit 2007 zwischen 24 und 38 Prozent. Der Zins für Baugeld sank im gleichen Zeitraum ebenso rasant – von fünf auf 2,8 Prozent.

Den Grund dafür muss man in Frankfurt suchen, am Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank hat die Leitzinsen in der Euro-Zone in den vergangenen Jahren systematisch abgesenkt, zuletzt Anfang Juni von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent. Künftig sollen Banken, die Geld bei der Zentralbank parken, auch noch Strafzinsen zahlen. Das Ziel: Banken sollen mehr Geld unter die Leute bringen, was wiederum die Konjunktur beleben soll. In den Krisenstaaten Südeuropas mag das hilfreich sein, in einer intakten Volkswirtschaft umso schädlicher.

Billiges Geld und Niedrigzinsen können wie Brandbeschleuniger wirken. Es wäre nicht das erste Mal, dass diese Zutaten zuerst einen Immobilienboom entfesseln und dann zum Zusammenbruch führen. So war es in den USA oder in Spanien. Deutschland ist davon noch entfernt. Aber die Risiken wachsen. „In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase“, warnte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor wenigen Tagen. Die Ursachen sollten Weidmann bestens bekannt sein. Die Entscheidung, die Zinsen noch ein bisschen weiter zu senken, hat er mitgetragen; wenn auch „mit Bauchschmerzen“. Weidmann gehört dem Rat der EZB an.

Nach Ansicht der Bundesbank beträgt die Überwertung in den Ballungsräumen mittlerweile bis zu 25 Prozent. Inzwischen seien aber auch in mittelgroßen Städten deutliche Preisanstiege zu beobachten. Die Immobilienmärkte in Aachen, Augsburg, Bonn, Hannover, Heidelberg, Mannheim und Münster seien zwischen zehn und 20 Prozent überbewertet.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scheint ein ungutes Gefühl zu haben: Im Immobiliensektor gebe es Anzeichen, „die gefährlich sind“, sagte er am Donnerstag in Berlin. „Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig“, so Schäuble.

Kommentare zu " Immobilien: Boom oder Blase?"

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  • Wir sprechen hier nicht davon, ob einem einzelnen Hauskäufer Unbll widerfährt, sondern von den Auswirkungen des Platzens einer Blase- das träfe viele, viele. Und zwar gleichzeitig.

    Im übrigen wird - wie Sie zu Recht sagten- in D immer noch der Beleihungswert gegenüber dem marktwert in USA etc. herangezogen. Der liegt jedoch üblicherweise deutlich niedriger.

  • Sie haben meiner Meinung nach nur teilweise recht wenn die Haushaltsrechnung passt entscheidet nur noch der Beleihungswert über die Zinssatz ob sie da 2000 oder 4000 verdienen ist fast egal. Klar haftet in Deutschland jeder mit allem aber schauen sie sich an was im E Fall meistens passiert das ist dann leider eh nicht mehr viel zu holen.

  • http://www.theguardian.com/environment/2014/jun/19/russia-secretly-working-with-environmentalists-to-oppose-fracking

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