Immobilien der Herrscher
Diktator sucht Käufer

Verlassen, zugewachsen und voller Graffiti: So verkauft ein Makler die Villa des Ex-Diktators Salazar. Der einstige Prunkbau ist kein Einzelfall. Diktatoren mussten während Revolutionen öfter ihre Domizile verlassen.
  • 0

LissabonDie frühere Villa des langjährigen portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar steht zum Verkauf: Für das unweit vom Zentrum Lissabons gelegene Grundstück mit dem Haus verlangt eine Maklerfirma 5,5 Millionen Euro. Salazar hatte die Villa von 1933 bis 1937 bewohnt, dann zog er in den Palast São Bento um, der auch heute noch als Regierungssitz dient.

Salazars alte Villa ist inzwischen verfallen, die Fassade verschmiert. Ein Baum streckt seine Äste durch kaputte Fenster, im Mauerwerk nisten Vögel. Dennoch sehen die Makler wegen der Lage des mehr als 1400 Quadratmeter großen Grundstücks „enormes Potenzial“.

Salazar regierte Portugal und seine Kolonien bis 1968 mit eiserner Hand, zwei Jahre später starb er im Alter von 81 Jahren. Die Nelkenrevolution im April 1974 beendete schließlich die Diktatur.

Verlassene Häuser und leere Paläste ehemaliger Herrscher sind keine Seltenheit. Bei vielen Revolutionen mussten Diktatoren ihre Prunkbauten fluchtartig verlassen.

So wurde beispielsweise der Abdu-Ismail-Palast in Libyen zur Notunterkunft für Flüchtlinge. Zuvor diente der Palast dem Regime des Diktators Muammar al-Gaddafi, der 2011 gestürzt wurde. Weltweit sind die Besitztümer Gaddafis noch verteilt und die Eigentumsrechte sind nicht vollständig geklärt. In München steht seit Jahren eine Acht-Millionen-Villa leer, deren Zukunft immer noch ungewiss ist – sie soll eventuell noch als Konsulat dienen.

Auch in London diente eine Gadaffi-Villa eine Zeit lang Rebellen und Demonstranten als Zuhause. Mittlerweile hat die libysche Regierung das Haus mit Staatsgeldern zurückgekauft. Die Luxus-Villa konnte man zuvor für 12.000 Euro pro Woche mieten.

Zahlreiche Immobilien in Monaco und Frankreich ließ auch der tunesische Diktator Ben Ali zurück, als er nach Saudi-Arabien flüchtete. Allerdings gibt es an der teuren französischen Riviera häufig keine Namensschilder und die Immobilienmakler halten auch dicht. Somit ist immer noch ungeklärt, welche Häuser und Appartments genau Ben Ali und seiner Familie gehören.

Doch selbst wenn die Herkunft einiger Immobilien geklärt ist: Nur Milliardäre, die bereit sind 50.000 Euro pro Quadratmeter zu zahlen, könnten sich die Domizile der Herrscher leisten. Schließlich ist Monaco der teuerste Ort der Welt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Immobilien der Herrscher: Diktator sucht Käufer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%