Immobilien der öffentlichen Hand
Kreditklemme trifft auch den Staat

Obgleich öffentliche Wohnungsunternehmen derzeit unter der Bankenkrise leiden, steht eine Privatisierung der bundeseigenen TLG Immobilien nicht unmittelbar bevor. Laut Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, müsse man noch die nächsten Wochen abwarten. Zu Spekulationen, der Bund könnte den Verkauf seines Immobilienunternehmens auf die fernere Zukunft verschieben, äußerte sich Gatzer nicht.

BERLIN. "Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen", sagte Werner Gatzer auf der Bundesimmobilienkonferenz in Berlin. Das Marktumfeld sei "nicht besser geworden". Deshalb müsse man die nächsten Wochen abwarten.

Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Immobilien der öffentlichen Hand standen im Mittelpunkt der Bundesimmobilienkonferenz, an deren Erstauflage im Gebäude des Flughafens Tempelhof über 400 Fachleute teilnahmen. Die Konferenz verfolgt nach Worten des Veranstalters Oliver Lorenz vom Berliner Unternehmen Wegweiser das Ziel, Wege für ein professionelles Liegenschaftsmanagement im öffentlichen Sektor aufzuzeigen.

Durch die Krise auf den Finanzmärkten würden nachhaltige Geschäftsmodelle wieder interessant, sagte Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. In den Boomjahren zwischen 2005 und 2007 sei er verschiedentlich als Vertreter der "Old Economy" diskreditiert worden. Mittlerweile aber, so Freitag, habe man wieder erkannt, dass eine Rendite von 15 Prozent auf Dauer nicht zu erzielen sei.

Bisher ist nach Angaben des GdW-Präsidenten kein von seinem Verband vertretenes Unternehmen durch die Finanzmarktkrise in der Existenz bedroht. Sorgen bereite den Wohnungsunternehmen jedoch, "dass die Zahl der Finanzierungspartner schwindet und die Konditionen schlechter werden". Umso wichtiger sei es, dass der deutsche Pfandbrief "ungeschoren aus der Krise herauskommt".

Laut Henning Rasche, im Vorstand der Frankfurter Immobiliennbank Eurohypo unter anderem für Finanzierungen der öffentlichen Hand zuständig, ist der Pfandbriefmarkt nach der Insolvenz von Lehman Brothers "mehr oder weniger zum Erliegen gekommen", was angesichts der krisensicheren Konstruktion des deutschen Refinanzierungsinstruments eine irrationale Reaktion und "durch nichts gerechtfertigt" sei. Auch sonst zeigte sich Rasche pessimistisch: "Das Vertrauen zwischen den Finanzmarktteilnehmern ist bis heute nicht wiederhergestellt."

Vergleichsweise optimistisch zu den Aussichten des Immobilienmarkts äußerte sich Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Im Unterschied zu anderen Ländern habe es in Deutschland "definitiv keine Immobilienpreisblase" gegeben. Da jetzt bei Anlegern reale Werte wieder in den Vordergrund träten, ergäben sich daraus gerade in der gegenwärtigen Krise attraktive Vermarktungschancen.

In Bezug auf die Finanzmärkte dagegen mahnte Berlins oberster Kassenhüter zu Vorsicht. "Niemand legt die Risiken offen", erklärte der für seine provokanten Äußerungen bekannte Sarrazin, wobei er sich auf seine Erfahrungen bei der Bewältigung der Krise der Berliner Bankgesellschaft Anfang des Jahrzehnts berief. "Wir wissen nur: Kein Banker sagt die Wahrheit. Er darf das ja gar nicht, da er sonst sofort von seinem Aufsichtsrat gefeuert würde."

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