Immobilien „Der Wohnraummangel ist gravierend“

In Deutschland fehlen bis zu 1,2 Millionen Wohnungen. Die Zahl der Baugenehmigungen und der fertiggestellten Wohnungen steigt zwar. Doch viele der Neubauten gehen am Bedarf vorbei.
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Trotz steigender Zahl der Baugenehmigungen reicht die Zahl fertiggestellter Wohnungen in Großstädten nicht aus. Quelle: dpa
Wohnungsbau in Frankfurt

Trotz steigender Zahl der Baugenehmigungen reicht die Zahl fertiggestellter Wohnungen in Großstädten nicht aus.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuf den ersten Blick scheint es, als könnten die deutschen Metropolen noch einiges vom Wohnungsbau in Frankfurt lernen: Der Wohnraum in der Stadt wird verdichtet, neue Wohnhochhäuser wie der Grand Tower oder ein Ensemble aus drei Objekten nahe der Einkaufspassage „My Zeil“ entstehen – und somit der Wohnraum, den Immobilienexperten seit Jahren fordern: In die Höhe, nicht in die Fläche, soll in Großstädten gebaut werden.

Auf den zweiten Blick wird aber klar: Zwar baut Frankfurt im Vergleich zu allen anderen deutschen Metropolen mehr Wohnraum – aber insgesamt weniger als die Hälfte, die benötigt wird. In allen Städten wird immer noch zu wenig gebaut. Denn wie eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) für die Deutsche Invest Immobilien analysiert hat, fehlen in Deutschland bis 2020 jährlich 385.000 neue Wohnungen. Vor allem 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen werden gebraucht. Doch ausgerechnet davon werden viel zu wenig gebaut. Die Folge: Die Immobilienpreise steigen weiter.

Das Urteil von Studienautor Michael Voigtländer fällt deutlich aus: „Der Wohnraummangel ist gravierend“, sagt er bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt. Zwar ist die Zahl sowohl der fertiggestellten Wohnungen als auch der Baugenehmigungen in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Doch das reicht noch lange nicht, findet Voigtländer. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Bautätigkeit in den A-Städten das erforderliche Niveau an Baufertigstellungen erreichen wird.“ Gemeint sind Metropolen wie Berlin, Frankfurt oder München.

Vertreter aus Bund und Ländern dürfte die Studienergebnisse beunruhigen. Schließlich schien es, als wäre die Bautätigkeit auf dem richtigen Weg. Allein von Januar bis November 2016 wurden in Deutschland 340.000 Baugenehmigungen erteilt – deutlich mehr als gesamten Vorjahreszeitraum. Doch der Nachholbedarf ist einfach zu groß. „Insgesamt fehlen uns heute ein bis 1,2 Millionen Wohnungen“, sagt Frank Wojtalewicz, Geschäftsführer der Deutsche Invest Immobilien. „Keine Gesetzgebung hat bis heute die steigenden Mieten bremsen können. Und solange der Wohnraummangel immer größer wird, setzt sich diese Entwicklung auch fort.“ Zudem dauert es von der Baugenehmigung bis zur fertigen Wohnung lange. Und nicht immer werden die Projekte realisiert, erklärt Wojtalewicz.

Die Folge: Während Studenten und Auszubildende weiter in die Städte pilgern, ziehen junge Familien oder Senioren aus den Städten heraus. Erste „Absetzbewegungen“, wie Voigtländer es bezeichnet, in größere Städte im Umland der Metropolen seien schon zu erkennen. Für Düsseldorf, Köln und München sei der Wanderungssaldo bei den 30- bis 50-Jährigen gar negativ. Heißt: Mehr Menschen in dieser Altersgruppe ziehen aus den Städten heraus als hinein. Das liege nicht daran, dass sie plötzlich keine Lust mehr auf die Stadt haben, sondern nicht die Wohnung finden, die sie suchen. Das gilt gerade für einkommensschwache Haushalte, die durch steigende Preise und Mieten aus den Zentren verdrängt würden. „Insbesondere mangelt es an 2- bis 3-Raum-Wohnungen“, analysiert der IW-Immobilien-Experte.

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39 Kommentare zu "Immobilien: „Der Wohnraummangel ist gravierend“ "

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  • Objektiv betrachtet ist die Zeit der Merkel-Kanzlerschaft ein Desaster für die meisten Deutschen ... Vermögens- und Rentenentwertung durch falsch verstandener EUR-Rettung, unüberlegte Energie"wende" mit drastischen Kostensteigerungen bei Strom wie in keinem anderen Land der Erde (!), Wohnungsnot in allen deutschen Großstädten bzw. Ballungsgebieten mit enormen Kostensteigerungen für normale Bürger und, last but not least, die total aus dem Ruder gelaufene Einwanderungspolitik ohne jegliche Weitsicht und vor allem Absprache mit den europäischen Nachbarn und dem Parlament.

    Es hätte schon lange Anreize zu Bau/ Erwerb von Wohnraum für Normalbürger geben müssen, bessere Genehmigungsverfahren, Abschaffung der Grundsteuer, Abschreibungsmöglichkeiten etc.

    Es zeigt, dass die hoch gelobte Frau Merkel in Wahrheit eine Kanzlerin der Unterlassung und Stagnation ist. Fakt.

  • So ist es. Laut Auskunft einer Maklerin sind für eine Wohnung in München bis zu 1.000 Bewerber. Also drängen die, die eine Wohnung suchen, in den weiteren Umkreis. Auch dort sind es mittlerweile 100 bis 150 Bewerber auf eine Wohnung.

  • Deutschland schafft sich bis 2030 aufgrund der Folgen eines "Youth Bulge" in diesen Drittländer ab.

    Mit Trump haben sie einen Politiker, der die Brücken nach Europa hochklappen wird.

    Europa ist schon mit einem einzigen Land von Afrika z.B. Nigeria mit 200 Mio Einwohner überfordert oder wird es sein, wenn in den nächsten Jahren dort die Bevölkerungszahl auf rund 600 Mio. heranwachsen wird.

    Gute Nacht Europa!

  • Herr Hofmann,

    ist mir schon klar wo die hinwollen und wo die sich aufhalten (Bahnhofsgebiete und sonstige öffentliche Plätze). Mir ist der Begriff Segregation geläufig. Aber das wollen die Politiker nicht mehr, weil sie genau hier befürchten, dass die Flüchtlingsproblematik auch dort landet, wo unser Multikulti gelandet ist.
    Städte, Segregation, arbeitssuchend, arbeitslos, Jobcenter, dumm und unwillig und auch unfähig. kriminell ohne Bildung und Niveau, andere Kultur und Weltanschaung sowie Religion.

    Dazu sind nach neuesten Studien in Deutschland mind. 8% gewaltbereit.

    Die Polizei wird weiter Überstunden schieben und die Staatsanwälte und Richter dürfen sich hinter den Aktenbergen verschanzen.

    In den nächsten Jahren wird sich die falsche und fatale liberale demokratische und laxe Politik deutlich bemerkbarer machen, als wie noch im letzen Jahr.

    S-Bahn fahren etc. pp. ist schon lange in Deutschelande vorbei.

    Nur , das wollen viele Politiker und Gutmenschen (noch) nicht wahrhaben.

    Die nächsten Übergriffe und Terror bzw. Anschläge sind doch vorprogrammiert.

    Leben wir in einem Stall voller Idioten, weil wir das zulassen?

    Keine Angst, die vielen Fehler werden die deutschen früher oder später deutlich spüren.

    Wenn an Infrastruktur schon gespart wird und zwischenzeitlich 5,7 Mio Menschen über dem 55. Lebensjahr unter der Armutsgrenze leben, braucht man sich über nix mehr zu wundern.

    Auch nicht über bezahbaren Wohnraum, gerade für diese 5,7 Mio. Menschen im eigenen Land. das ist die eigentliche Schande und Farce.

    Aber dann hohe zweistellige Mrd. zur Verfügung stellen, die illegal ins Land kommen und die in Zukunft nur von Transferleistungen leben werden.

    Da braucht und sollte sich kein Mensch mehr im Land wundern, wenn die Lasten für die Individuen in allen Facetten in naher Zukunft permanent steigen werden.






  • Wo ist eigentlich Harald Trautmann abgeblieben ?

    Das wäre doch mal ein Artikel nach seinem Geschmack ...

    Ich freue mich immer über seine kritischen Kommentare !

  • Für mich ist es unglaubwürdig, von Wohnungsmangel zu reden, um mit diesem Argument die Wohnqualität in Großstädten durch ständige Verdichtung so weit runter zu drücken, bis ganze Stadtteile unattraktiv werden.

    Es kann nicht jeder in der ersten Reihe mit Meerblick und Bootsanlegesteg wohnen und es kann nicht jeder in München oder Berlin in Toplage wohnen. Da greift in unserer kapitalistischen Welt dann entweder die Marktwirtschaft oder, wenn Wohngebiete „durchmischt“ werden sollen, muss halt ein bestimmter Anteil an Sozialwohnungen in jedem Stadtteil vorhanden sein.

    In ländlichen Gebieten gibt es nach meiner Erfahrung Wohnraum genug und auch zu attraktiven Preisen. Was gerade Familien in Großstädte zieht, erschließt sich mir nicht. Für die Verdiener einer Familie bedeutet es eventuell eine längere Fahrt zur Arbeit. Für Kinder und für das Familienleben ist es ideal, auf dem Land oder in Kleinstädten zu leben.

  • @Reiner Blumenhagen, 08.02.2017, 12:46 Uhr

    ""Menschen und Bevölkerung " wo liegt denn da der Unterschied?"

    Als Antwort auf diese (durchaus vernünftige) Frage „passt“ dieser alte Ostberliner Witz m.E. einfach zu gut, um ihn hier nicht wiederzugeben:

    „Welcher Unterschied, Genosse Plischke, ist nun zwischen dem Kapitalismus und dem Sozialismus?“
    Plischkes Antwort: „Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus.“ „Sehr richtig. Und im Sozialismus?“ „Da ist es umgekehrt“.

  • "Doch viele der Neubauten gehen am Bedarf vorbei."

    Es hakt bei dem politischen Projekt "Bewältigung des Wohnraummangels" wie bei allen anderen auch, prominenteste Beispiele sind da wohl die Energiewende und der Breitbandausbau, an der "Feinjustierung" bei Gesetzgebung und -umsetzung.

    Ergebnis: Frust, Bürokratie, und: hohe Kosten (für die Allgemeinheit) / Gewinne (für einige wenige).

  • "Menschen und Bevölkerung " wo liegt denn da der Unterschied?

  • Liebe Frau Edelgard Kah, da haben wir doch schon die von ihnen angezweifelte Differenz. Menschen und Bevölkerung sind nicht gleich, wie im unten geposteten Kommentar beschrieben. So, jetzt dürfen alle über mich herfallen.

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