Immobilien
Die Exzesse des Booms

Hauspreise und Mieten steigen weiter. Zugleich treibt der Immobilien-Boom bunte Blüten. Eine Reportage über die teuersten Wohnungen Deutschlands, das Rattenrennen in München und Villenschnäppchen auf dem Land.
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FrankfurtWas Mieter auf Wohnungssuche oder junge Familien mit dem Wunsch nach dem eigenen Häuschen schon lange wissen, zeigen jetzt zwei Studien zum Immobilienmarkt. Wohnobjekte legten demnach eine wahre Rally hin. Seit Anfang des großen Immobilienzyklus im Jahre 2008 stiegen die Preise für Immobilien in den Großstädten jedes Jahr um sieben Prozent. So steht es in einem Bericht der Deutschen Bank. Die Mieten verteuerten sich in den Großstädten seit 2008 allerdings in den fünf Jahren nur um elf Prozent. Droht in Deutschland deshalb eine Immobilienblase?

Nein, sagen die Analysten der Deutschen Bank. Schon bei früheren Aufschwüngen gab es ähnliche Preiszyklen. Demographie, staatliche Regulierung und konservative Kreditvergabe würden dafür sorgen, dass es keinen verheerenden Einbruch gebe.

Auch in diesem Jahr sollten die Preise weiter steigen. Niedrige Bautätigkeit, günstige Zinsen und Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten sorgen weiter für Nachfrage. „Trotz des aktuellen Aufschwungs bleiben Wohnimmobilien im Vergleich zu ihrer eigenen Historie unterbewertet“, urteilen die Analysten.

„Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland haben im Jahr 2013 ihren kräftigen Aufwärtstrend mit praktisch unverändertem Tempo fortgesetzt“, schreibt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Auch im Umland der Metropolen und kleineren Städten ziehen jetzt die Preise an. „Bestehende Überbewertungen in den Ballungsraumen haben sich trotz der in Gang gekommenen Angebotsausweitung eher verfestigt“, analysiert die Bundesbank.

Die Preise für Wohnimmobilien seien dort stärker gestiegen, als es die ökonomischen und demographischen Fundamentalfaktoren nahelegen würden. „Dies gilt insbesondere für die städtischen Immobilienmärkte, für die gegenwärtig Überbewertungen zwischen zehn und 20 Prozent gemessen werden.“ In den Großstädten weichen die Preise für Wohnimmobilien nach der Bundesbank-Analyse im Durchschnitt vermutlich um 25 Prozent nach oben ab.

Eine Blase gibt es nicht. Die Rally geht aber weiter, auch in diesem Jahr. Was in den Analystenberichten oft recht trocken daherkommt, sorgt in der Praxis oft für schrille Situationen. Wie wirkt sich der Immobilienboom aus? Einige Eindrücke bei Recherchen in Frankfurt, München und auf dem Land.

Kommentare zu " Immobilien: Die Exzesse des Booms"

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  • Ich Arbeite selbst im Immobiliensektor und sehe das etwas distanziert und streiche den Faktor Neid aus meinem Kommentar. Im Vergleich zu m² Preisen anderer europäischen Städten sind die deutschen Metropolen (selbst München) noch in den Kinderschuhen. Wer sich in so eine Anlage einkauft, kauft sich auch seine Nachbarn ein. Dieses Klientel kauft sich bewußt in so ein Haus ein. Ich schätze diese Käuferschicht gönnt sich so eine Einheit einfach und in der Regel haben Sie sich das lange erarbeitet. Ich habe selbst ein Haus auf Sylt veräußert und dort zahlen Kunden 30.000.-€ 40.000.-€ p.m² für Land das irgendwann im Meer verschwindet. Leider spielt der Faktor Neid eine große Rolle in Deutschland. Wenn mir jemand erzählt das er nicht lieber Ferrari fahren würde anstatt einen netten VW oder nicht lieber BusinessClass fliegt als Eco und die Wahl hat lügt in meinen Augen. Und ich werde mir beides nicht leisten können.

  • Wenn jemand für den eigenen Bedarf kauft, er das Geld (im Überfluss) hat, dann spielt der Preis keine Rolle. Luxus ist, was von den Vermögenden als Luxus angesehen wird, und das ist für weniger Vermögende oft nicht rational. Insofern sind die Preise am obersten Ende der Immobilienskala wenig aussagekräftig für eine Blase, sondern eher der große Mittelbauch. Über dieses Normale wird aber oft nicht berichtet und auch wenn in Frankfurt eine WOhnung für 14000 Euro den qm angeboten wird, können Sie auch Wohnungen noch für um die 2000 Euro erwerben. Dann sind Sie zwar nicht in einem momentan "hippen" Viertel, aber Höchst und Alt-Griesheim (hier gibt es übrigens den größten Jachthafen von Frankfurt) haben auch ihren Charme und sind mit Orginalen teilweise noch lebenswerter. In dem "hippen" Westend wollte ich jedenfalls nicht mehr wohnen.

  • Wenn die Nachfrage nicht mehr analog steigt, die Mieten sinken und man trotzdem baut, entsteht ein Überhang=Blase.
    Fehlende Immobilien sorgen i.R. zu steigenden Mietpreisen.

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