Immobilien
Die Finanzkrise erreicht Japan

Die Beben der Finanzmarktkrise bekommt Japan nicht nur an der Börse zu spüren. Der Büroimmobilienmarkt des Landes zeigt deutliche Veränderungen.

DÜSSELDORF. Im Gegensatz zu den asiatischen Nachbarstaaten spürt Japan in vollem Umfang die Auswirkungen der globalen Finanzkrise. Im zweiten Quartal dieses Jahres schrumpfte das Bruttosozialprodukt um 0,6 Prozent. Die Ausfuhrrate fiel um 2,3 Prozent - der erste Rückgang seit mehr als drei Jahren. Die Zahlen zeigen, dass die auf hochwertige elektronische Konsumgüter und Automobile spezialisierte Exportnation sich den Folgen des rückläufigen Konsums in Europa und Nordamerika nicht entziehen kann.

Dennoch erwarten Experten nicht, dass Japan in eine längere Rezession schlittern wird. "Die Wirtschaft des Landes wird nicht in ein tiefes Loch fallen", sagt Glenn Maguire, Chefökonom Asien bei der Société Général. "Die zyklische Abschwächung wird nicht in einer Krise wie in den 90er Jahren münden." Damals war Japans Wirtschaft in eine mehr als zwölf Jahre währende Abschwungphase gerutscht, nachdem die Spekulationsblasen an den Immobilien- und Aktienmärkten es Landes geplatzt waren.

Die schwache Wirtschaftsentwicklung zeigt allerdings erste Spuren an den Immobilienmärkten des Landes. Zwar betrug die Leerstandsrate bei Büroimmobilien der Top-Kategorie A in der Hauptstadt Tokio Ende des ersten Quartals dieses Jahres nur 1,5 Prozent. "Unternehmen stellen jedoch ihre Pläne für die Anmietung neuer oder zusätzlicher Flächen wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten zurück", vermelden die Analysten von CB Richard Ellis (CBRE) in ihrer jüngsten Studie. Positiv für den Markt sei allerdings, dass Investoren bereits 2007 kaum noch Neubauten auf den Weg gebracht hätten. Waren 2007 in der 8,5 Mio. Einwohner zählenden Stadt noch neue Bürotürme mit insgesamt 557 400 Quadratmetern (qm) fertig gestellt worden, würden in diesem Jahr insgesamt nur rund 165 000 qm neu an den Markt kommen.

Ein längerer Wirtschaftsabschwung könnte allerdings Investoren empfindlich treffen, die erst in den vergangenen beiden Jahren in den japanischen Immobilienmarkt eingestiegen waren. Sie hatten dabei in hohem Umfang Billigkredite japanischer Banken genutzt, deren Zinssätze zumeist unter zwei Prozent lagen. Dadurch waren die Immobilienpreise so stark gestiegen, dass die Nettoanfangsrenditen im ersten Quartal dieses Jahres nach CBRE-Berechnungen nur zwischen 2,8 und 3,3 Prozent lagen. Damit könnte es nun bald vorbei sein. "Auch japanische Banken haben ihre Kreditvergaben wegen der internationalen Finanzkrise deutlich eingeschränkt", schreiben die CBRE-Analysten. Sollten Käufer dadurch eines Tages gezwungen sein, die Yen-Darlehen für ihre japanischen Immobilieninvestments in Euro oder Dollar zu refinanzieren, müssten sie zwangsläufig die Objekte auf den Markt werfen - was die Preise kräftig unter Druck bringen würde.

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