Immobilien
Hausbesitzern an Spaniens Küsten droht Enteignung

Mit drastischen Mitteln geht Spanien gegen die Bauwut an seinen Küsten vor: Alle Häuser, die zu nah am Wasser stehen, werden abgerissen. Wie die Regierung den Schritt rechtfertigt - und die Eigentümer sich dagegen wehren.

MADRID. An Spaniens Küste verläuft eine unsichtbare Linie - mal gerade, mal mit launischen Zacken. Sie versetzt Hausbesitzer in Angst und Schrecken. Es handelt sich um die Abgrenzung einer mindestens 20 Meter breiten staatlichen Strandzone, sichtbar nur auf den Plänen der nationalen Küstenschutzdirektion.

Alles, was in der staatlichen Strandzone ist, verwandelt sich nach vollzogener Grenzziehung in öffentliches Gut. Wer in dieser Zone ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, wird enteignet, die Gebäude früher oder später abgerissen - ohne Entschädigung. Eine ganze Reihe von Häusern, sogar ganze Dörfer fielen der staatlichen Abrissbirne bereits zum Opfer.

Noch ist die Linie nicht ganz vollständig. Etwa 20 Prozent der Küste müssen die Ingenieure noch vermessen. Zudem kann sich die Linie jederzeit verschieben, denn ausschlaggebend ist laut Küstengesetz, wie weit die Wellen im Fall einer Sturmflut reichen. Viele Hausbesitzer wissen noch nichts von ihrem Unglück oder haben erst vor kurzem davon erfahren.

Als die Spanierin Carmen del Amo vor vier Jahren für 240 000 Euro ihre 150 Quadratmeter Wohnung mit Meerblick in Alicante kaufte, war die unsichtbare Linie in dieser Region Alicante schon gezogen. Carmens Terrasse ragt einen Meter in die 20-Meter-Strandzone hinein. Damit ist die ganze Wohnung öffentliche Domäne. Im Grundbuch steht bis heute nichts davon, obwohl der Staat per Gesetz dazu verpflichtet ist, eine entsprechende Eintragung zu machen. Vor zwei Jahren wurde die Bankdirektorin frühpensioniert und zog ganz von Madrid nach Alicante. "Da begann ich, mich mit der Sache zu befassen und entdeckte, dass ich eigentlich gar keine Wohnung besitze und auch kein Anrecht auf Entschädigung habe."

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