Immobilien
Heißer Markt kühlt ab

Heute beschließt der Bundestag die Mietpreisbremse. Studien zeigen aber: Der Immobilienzyklus hat den Höhepunkt überschritten. Die Mieten steigen nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Ist das Gesetz sinnlos?
  • 6

DüsseldorfTrotz zahlloser Terminverschiebungen, Krisentreffen, offener Briefe und grundsätzlicher Änderungen findet die Mietpreisbremse keine Freunde. Heute bespricht der Bundestag den Gesetzesentwurf. Und die Kritik bricht sich lautstark Bahn.

Schon vergangene Woche meldeten die Länder in einer Stellungnahme grundsätzliche Zweifel an. Die Vorwürfe: Der Entwurf der Regierung enthalte keine neuen Regeln zur Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen. Auch die Regelung zur Rückzahlung überzahlter Mieten für Wohnungen mit Mietpreisbegrenzung passt den Ländervertretern nicht: Die Regierung schaffe Anreize für Vermieter, bei Vertragsabschluss die Mieten nicht ordnungsgemäß zu berechnen.

Auch die Opposition lässt nicht locker. Die Mietpreisbremse hätte genau das Gegenteil dessen bewirkt, was sie eigentlich erreichen solle. So lautet das Ergebnis einer Studie der Bundesfraktion der Grünen zum Mietmarkt in elf Metropolen. Die Mieten seien „zeitlich parallel zu den politischen Ankündigungen bezüglich einer Mietpreisbremse“ deutlich angestiegen.

Vermieter hätten „vorsorglich“ die Mieten, sobald dies möglich war, erhöht. „Durch die Ankündigungen ohne konsequente Umsetzung hat die Große Koalition die Kosten immer wieder angeheizt“, sagt der Grünen-Bauexperte Chris Kühn der „Rhein-Neckar-Zeitung“.

Der Eigentümerverband Haus und Grund hatte zuvor bereits in der Bild-Zeitung ein Gutachten präsentiert, nachdem das geplante Gesetz verfassungswidrig sei. Der aktuelle Gesetzentwurf verletze das Eigentumsrecht der Haus- und Wohnungseigentümer. Durch die Mietpreisbremse sei die Wirtschaftlichkeit der Wohnungsraumvermietung nicht mehr gewährleistet. Vermieter würden sich deshalb vom Markt zurückziehen.

Wird das neue Gesetz tatsächlich Auswirkungen auf den Immobilienmarkt haben oder gilt die alte Regel, nachdem nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde? Eine heute veröffentlichte Studie des Immobilienverbandes IVD zeigt, dass die Mietpreisbremse wahrscheinlich weniger Auswirkungen haben dürfte, als die Vermieter befürchten.

Die Analyse von Kaufpreisen und Mieten in 390 Städten zeigt: Der Immobilienzyklus in Deutschland könnte seinen Höhepunkt längst überschritten haben. Deutschlandweit stabilisieren sich demnach die Preise für Wohnimmobilien und der Anstieg der Mieten verläuft weniger dynamisch als in den vergangenen Jahren.

Kommentare zu " Immobilien: Heißer Markt kühlt ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ ... Wa:

    Versuchen sie längst schon.
    Entweder per Börsengang, Verkauf oder Umwandlung streben sie dem Exit entgegen.

    Etliche schafften es bereits, andere wollen noch angemessene Größe erreichen zur Flucht aus der neuen DDR.

  • So ist gut gemeint wieder mal ausgesprochen schlecht gemacht: die Mieten steigen mit der Ankündigung der Begrenzung.

    So ist das immer, wenn der Staat populistischen Blödsinn verfasst, was in 99,99 Fällen so geschieht.

    Da freuen sich die hoch gejubelten Mieter - wenn die Mieten wieder sinken sollten.

  • Die Mietpreisbremse wird in den begehrten Lagen nicht dazu führen, dass dort zukünftig auch "Normalverdiener" mieten können, da Vermiter sich immer für den solventesten, pflegeleichtesten Mieter entscheiden werden.
    Nur dass diese, solventen, Mieter zukünftig vor hohen Mietsteigerungen geschützt werden.
    Ob das das Ziel der Mietpreisbremes gewesen ist?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%