Immobilien in Deutschland
Wo die Profis jetzt zuschlagen

Investoren stürmen den deutschen Immobilienmarkt. Erstmals seit der Finanzkrise lagen die Transaktionen oberhalb der Marke von 50 Milliarden Euro. Doch wann endet der Boom? Und wo kaufen die Profi-Investoren?
  • 1

Als die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kurz nach dem Jahreswechsel erstmals unter die Marke von 0,5 Prozent fiel, machten nicht nur sicherheitsbewusste Altersvorsorge-Sparer große Augen. Auch für Immobilieninvestoren markiert das historische Zinstief eine Zeitenwende. Noch nie war die Finanzierung von Immobilien so günstig wie jetzt.

„Die niedrigen Zinsen sorgen für Preise, die noch vor einigen Jahren undenkbar waren“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Partner der Unternehmensberatung EY Real Estate. Noch vor wenigen Jahren galten Preise, die über dem zwanzigfachen der jährlichen Bruttomiete lagen als überteuert. „Heute sehen wir Transaktionen, die über dieser Marke liegen, in Einzelfällen sogar über dem 25-Fachen der Jahresmiete“, sagt der Leiter Immobiliensektor in Deutschland, der Schweiz und Österreich bei EY (früher Ernst & Young). „Früher wäre das undenkbar gewesen, früher gab es aber auch kein Zinstief“.

Da Immobilienkredite aktuell spottbillig sind und sicherere Anlageklassen kaum noch Renditen bringen, stürzen sich die Investoren weltweit auf den deutschen Immobilienmarkt. Nach der Untersuchung „Trendbarometer Immobilien Investmentmarkt“, einer Befragung von knapp 130 Investoren wie Fonds, Banken, Versicherer oder Wohnungsverwalter, stieg das Volumen der Immobilientransaktionen im vergangenen Jahr auf 52,7 Milliarden Euro. Der Anteil an Wohnimmobilien beträgt 12,8 Milliarden Euro.

Damit stieg das Volumen erstmals seit der Finanzkrise wieder auf einen Wert von mehr als 50 Milliarden Euro. Und auch in diesem Jahr soll es nach der EY-Prognose über der Marke von 50 Milliarden Euro liegen. „Banken haben die Ängste der Finanzkrise weitgehend abgehakt“, sagt Schulz-Wulkow. „Vor allem Kredite für Wohnimmobilien gelten als besonders sicher und werden gerne vergeben“.

Die Investoren setzen auf das Zinstief. Vier von zehn Befragten rechnen damit, dass der Beleihungsauslauf (Quotient aus Darlehensbeträgen und Beleihungswert) bei Baugeld steigt, also die Banken mehr ins Risiko gehen. Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Zinsen, lediglich jeder fünfte mit verschärften Kreditbedingungen.

In Zeiten billigen Geldes wird die Bankenfinanzierung immer weniger zum Problem. Fast alle Investoren sehen überhöhte Preisvorstellungen des Verkäufers als den Grund, warum Verkäufe fehlschlagen. Rund sechs von zehn Investoren rechnen bei Wohnimmobilien auch in diesem Jahr mit steigenden Preisen in 1A- und 1B-Lagen.

Da die Zinsen langfristig niedrig bleiben dürften, die deutsche Konjunktur ganz gut läuft und die schlimmste Phase der Euro-Krise überstanden scheint, wagen die Immobilienprofis wieder etwas. Fast alle Investoren rechnen damit, dass der Anteil risikoreicher Investments steigt. Außerdem rechnen die Marktteilnehmer mit einer Zunahme von Investoren aus dem Ausland.

Kommentare zu " Immobilien in Deutschland: Wo die Profis jetzt zuschlagen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wobei selber denken und lesen immer noch das Wichtigste ist. Alles, was "in der Öffentlichkeit" gesagt wird, soll etwas bewirken. Mache ich ja auch. ("Mmh, schwierige Gegend/Lage" - nett und höflich sein, kaufen - mit paar lancierten Artikeln oder sogar Forumseinträgen nettes über die Gegend sagen und diesmal die guten Seiten sehen. Sagen, wie gerne man da lebt. Mit ein wenig Geschick gibt es 1-2 Jahre später einen sehr hübschen Gewinn.)
    Also unbedingt über einen längeren Zeitraum die Entwicklung selber beobachten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%