Immobilien in Spanien
Der Boom klingt ab

Spaniens Immobilienmarkt kühlt sich merklich ab, und das ist insbesondere an der Küste spürbar. „Tausende von Immobilien wurden kürzlich vollendet, und einige monströse Hochhausblöcke vernarben den Horizont, viele davon leerstehend.“ So beschreibt ABN-Amro-Analyst Tim Drayson recht plastisch die Eindrücke seiner jüngsten Reise an die Küste um Valencia.

HB MADRID. „Noch immer gibt es unzählige neue Projekte für Wohnimmobilien, zudem gibt es erste Anzeichen von Bauträgern, die halbfertige Gebäude einfach aufgeben.“ Zwar gibt es auf der Nachfrageseite wenig Veränderungen: Der Tourismussektor entwickelt sich stabil, und die Lust zum Erwerb von Ferienimmobilien hat sogar eher zugenommen. „Die Tendenz in den letzten zwei Jahren war weniger Miete, stattdessen mehr Eigenbesitz oder Hotel“, sagt Fernando Rodríguez y R. de Acuna, Präsident der spanischen Immobilienberatung RR de Acuna.

Doch der Bauboom der letzten Jahre, angeheizt durch niedrige Zinsen und Baukosten sowie insbesondere an der Küste durch Spekulation, ist weit übers Ziel hinausgeschossen. „Das Überangebot an Immobilien ist an der Küste etwa zwei- bis dreimal so hoch wie im Rest des Landes“, sagt de Acuna. „Ein Anpassungsprozess war nötig, und der wird noch ein paar Jahre dauern – an der Küste länger als im Rest des Landes.“

Besonders ausgeprägt ist dieser Prozess an der Costa del Sol mit seinen Zentren Marbella und Malaga sichtbar. Waren die Immobilienpreise in den Boomjahren noch jährlich zwischen zwölf und 15 Prozent gestiegen, machte das Immobilienberatungsbüro Aguirre & Newman im vergangenen Jahr einen Preisrückgang für Apartments von knapp fünf Prozent aus; Einfamilienhäuser gaben um mehr als sechs Prozent nach. Auch Baugrundstücke werden günstiger angeboten, da sie in vielen Fällen schon seit längerer Zeit im Besitz der gleichen Immobilienentwickler sind – die angesichts der enormen Steigerungen der letzten Jahre aber auch dann noch einen Gewinn machen, wenn sie mit dem Preis etwas heruntergehen, wie die Experten von Aguirre & Newman erläutern.

Die Costa del Sol erlangte auch zweifelhafte Berühmtheit durch eine Reihe von Immobilienskandalen. Die Entwickler konnten sich dank korrupter Regionalpolitiker auch über bestehende Baubeschränkungen hinwegsetzen. Zudem wurde der Bauboom vielerorts an der Küste nicht von einem entsprechenden Ausbau der Infrastruktur begleitet. Die Folge sind etwa Engpässe bei der Wasserversorgung, Müllberge auf den Straßen sowie Kriminalität vor allem außerhalb der Saison. Viele Küstenorte schaffen es bisher nicht, von dem neuen Trend zu Kurzurlauben, der durch die Billigflieger entstanden ist, über das ganze Jahr hindurch zu profitieren.

Seite 1:

Der Boom klingt ab

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%