Immobilien-Investoren
Auf Schnäppchenjagd in Spanien

Spanien war eines der Länder in Europa, das am härtesten von Spekulationen am Immobilienmarkt getroffen wurde. Nach dem Absturz der Immobilienmärkte nutzen Investoren die Gunst der Stunde und hoffen auf hohe Renditen.
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HAMBURG. Spanien leidet weiter schwer unter der globalen Wirtschaftskrise - und der geplatzten Spekulationsblase am inländischen Eigenheimmarkt. Die privaten Haushalte sitzen auf einem Schuldenberg, nachdem die Häuserpreise um bis zu 60 Prozent gefallen sind. Der Konsum ist eingebrochen. Banken und Sparkassen müssen Milliardenbeträge auf notleidende Hypothekendarlehen abschreiben, können kaum noch Kredite ausreichen. Als Folge sinkt die Wirtschaftsleistung. Im zweiten Quartal lag das Bruttoinlandsprodukt 0,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, vermeldete die nationale Statistikbehörde INE. Der internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Konjunktur im Gesamtjahr um 0,4 Prozent schrumpfen wird.

Entsprechend düster sieht es auf den Büromärkten des Landes aus. "In Madrid sind die Leerstandsquoten im zweiten Quartal weiter gestiegen", berichtet Edward Farrelly, Researchleiter bei der Beratungsgesellschaft CB Richard Ellis (CBRE) in der spanischen Hauptstadt. Elf Prozent der zwölf Mio. Quadratmeter (qm) Büroflächen waren zur Jahresmitte unvermietet. Noch schlimmer ist die Lage in Barcelona. "Ende Juni betrug die Leerstandsquote 12,8 Prozent", sagt Eva Jodar López, Büroleiterin von CBRE in der Küstenmetropole.

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Unternehmen halten sich bei der Anmietung zurück. Gleichzeitig werden immer noch Neuprojekte aus der Zeit vor Beginn der Krise fertig. Vor allem in Barcelona wird das Flächenangebot in den nächsten Monaten noch kräftig steigen.

Die Immobilienpreise sind deshalb massiv eingebrochen. Vor der Krise wurden Bürotürme so teuer gehandelt, dass Erwerber Anfangsrenditen von gerade 4,25 Prozent erzielten. "Heute liegen sie in Madrid bei sechs Prozent, in Barcelona bei 6,25 Prozent", sagt Pablo Kindelán, Analyst der Beratungsgesellschaft DTZ. Den Abschwung bekamen auch Anleger deutscher offener Immobilienfonds zu spüren. Der P2 Value von Morgan Stanley korrigierte vergangenes Jahr den Buchwert seiner spanischen Objekte um 32,8 Mio. Euro.

Die Mehrheit der Käufer kommt aus dem Ausland

Jetzt aber lockt der Preisverfall Schnäppchenjäger. Erst jüngst hat die Deka für 145 Mio. Euro den Bürokomplex "Avenida Diagonal 640" im zentralen Geschäftsbezirk Barcelonas für ihren offenen Fonds Deka-Immobilien Europa erworben. Mit dem Deal befindet sich der Immobilienfondsanbieter der Sparkassen in bester Gesellschaft. Auch britische Fonds sind auf Einkaufstour.

"Im ersten Halbjahr wechselten Gewerbeobjekte im Wert von 2,4 Milliarden Euro den Besitzer", hat Kindelán errechnet. Im vierten Quartal 2009 kam er gerade auf 489 Mio. Euro. "Mehr als die Hälfte des Geldes kommt aus dem Ausland", sagt er. Spanische Akteure verkaufen eher. Wegen des Preisverfalls erhalten sie nur Anschlussfinanzierungen, wenn sie mehr Eigenkapital mitbringen. Und dafür fehlt den meisten einheimischen Gesellschaften das Geld.

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