Immobilien
Kaufen, auch wenn es teuer ist

Die Immobilienpreise steigen und steigen. Viele Anleger fragen sich, ob Häuser und Eigentumswohnungen in Deutschland mittlerweile zu teuer sind. Es gebe noch lange keine Preisblase, behaupten Experten.
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DüsseldorfEs wird nicht billiger, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Darin sind sich die Experten einig. Die Landesbausparkassen (LBS) erwarten im laufenden Jahr einen Anstieg von zwei bis 3,5 Prozent und nennen den "moderat". Die Nachfrage wachse. "Bei überwiegend rückläufigem Angebot steigen damit zwangsläufig die Preise", sagt LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm. Das wäre ein geringeres Plus als in den vergangenen zwei Jahren, für die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Preissteigerungen von bis zu 4,5 Prozent jährlich in der Fläche, aber an Orten wie Berlin, Hamburg und München von acht bis neun Prozent allein im vergangenen Jahr festgestellt hat. Vor allem bei Wohnungen im Bestand schnellen die Preise in diesen Städten hoch. Immobilienscout, eine Internetplattform für Immobilienangebote, wertet regelmäßig die Angebote aus. Das Ergebnis: Verkäufer von Eigentumswohnungen verlangten in diesen Städten in den Monaten April bis Juni zwischen 4,1 und 3,6 Prozent mehr als im Vorquartal.

Ist es angesichts solcher Steigerungsraten nicht längst zu spät zum Wohnraumkauf? Die Experten bleiben optimistisch. Wer Häuser und Wohnungen kauft, sollte nicht auf die Preissprünge binnen Jahresfrist schauen, sondern langfristig denken, rät Harald Simons, Vorstand des Immobilienmarktforschers Empirica. Deshalb empfiehlt er, die Preisentwicklung über mehrere Jahre zu verfolgen. Dann fallen Ausreißer nach oben oder unten in einem Jahr nicht ins Gewicht.
Zwar lassen sich Steigerungsraten der Vergangenheit nicht in die Zukunft fortschreiben. Aber: Dass Städte wie Gelsenkirchen, Hof und Salzgitter plötzlich einen Bevölkerungszustrom erleben, der Wohnungen und Einfamilienhäuser knapp und teuer macht, ist nicht anzunehmen. Eher schon, dass der Wert von Immobilienbesitz in Metropolen steigt, wenn dort die Bevölkerung permanent wächst und der Wohnungsbau nicht mithält. In Berlin würden jährlich 10 000 neue Wohnungen gebraucht, aber nur 3 000 gebaut, gibt Andreas Schulten, Vorstand des Beratungsfirma Bulwien-Gesa, ein Beispiel und empfiehlt: "Es ist auch jetzt noch sinnvoll, in den großen deutschen Metropolen wie Berlin in Wohnraum zu investieren, weil die Preise dort langfristig steigen werden."

Eine Auffassung, die Michael Kiefer, Leiter Immobilienmarktforschung bei Immobilienscout, teilt. Nach seiner Meinung wird sich daran auch nichts ändern, wenn sich als Folge der Euro-Schuldenkrise die Konjunktur in Deutschland verschlechtert und damit die Arbeitsplätze wieder weniger sicher sind: "Eine Verschärfung der Euro-Krise wird die Menschen eher noch stärker ins Immobilieninvestment treiben als bisher." Speziell in den urbanen städtischen Lagen könne die leicht anspringende Neubautätigkeit den Bedarf immer noch bei weitem nicht decken, argumentiert er weiter.

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Kommentare zu " Immobilien: Kaufen, auch wenn es teuer ist"

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  • Bei der Diskussion sind viele Emotionen im Spiel. Wir haben die letzten 2 Jahre nach einer Immobilie zu Eigennutzung gesucht. Aber im Rhein-Main-Gebiet ist das nicht einfach. Letztlich haben uns doch wieder für Miete entschieden. Und ganz ehrlich: es schmerzt weil - auch wenn sich das vielleich mit Zahlen nicht untermauern lässt - man den Eindruck hast das Ganze ist nicht nachhaltig.
    Ob Immobilien jetzt schon überteuert sind wage ich nicht vorherzusagen. Für meinen Geschmack ja. Aber wer kann Märkte schon prognostizieren.
    Aber zumindest haben wir noch keinen Fehler gemacht. Ein extrem teueres Objekt kaufen das auch nur wieder Kompromiss bedeutet, kann auch nicht der richtige Weg sein.

    Fazit: da bei Eigennutzung ein Großteil Emotion mit dabei ist, gibt's kein Richtig oder Falsch. Wer das richtige Objekt findet und es bezahlen kann, der soll kaufen.

  • Glückwunsch, dass Sie nicht gekauft haben.

    Hier ist noch mal meine Rechnung:

    http://www.finanzfrage.net/tipp/umsonst-wohnen-ohne-eigenheim-oder-eigentumswohnung

    Ich denke, mit ein bisschen Disziplin bekommt das jeder Durchschnittsverdiener doch hin.

    Mir geht die ideologische Überhöhung von Wohneigentum mächtig gegen den Strich.

  • Zitat: "Der Profi mietet." ...
    Sie meinen das wohl nicht im Ernst oder???
    (Die Frage ist ernst gemeint)

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