Immobilien
Keine Angst vor der Kreditklemme

Experten zufolge gibt es genügend Geldgeber für Immobilien-Deals. Dies gelte auch dann noch, wenn EU-Auflagen und Problemkredite die Ausleihungen einschränken. Die Hoffnung der Branche ruht auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
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BERLIN. Die Angst der deutschen Immobilienwirtschaft vor einer Kreditklemme ist unbegründet. "Es wird keine Kreditklemme geben", sagte Andreas Quint, Deutschland-Chef des weltweit agierenden Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle (JLL) am Wochenende in Berlin. Quint untermauerte seine Behauptung mit einem Rechenbeispiel. Als vor zwei Jahren in Deutschland Gewerbeimmobilien im Volumen von 60 Mrd. Euro den Besitzer wechselten, seien für die durchschnittlich zu 80 Prozent fremdfinanzierten Deals 48 Mrd. Euro Kredite notwendig gewesen. Die aktuelle Fremdfinanzierungsquote schätzt er auf im Schnitt 50 Prozent, so dass bei einem von ihm erwarteten Umsatz am Investmentmarkt von zwölf Mrd. Euro nur sechs Mrd. Euro Fremdmittel nötig sind.

Keine Probleme durch EU

Für Quint ist die Vergabe von Krediten in dieser Größenordnung auch dann möglich, wenn Auflagen der EU und Abschreibungen auf Problemkredite die Ausleihungen deutscher Banken einschränken sollten. Mitte vergangener Woche hatte Bundesbankpräsident Axel Weber vor einer Kreditklemme wegen drohender Auflagen aus Brüssel für deutsche Kreditinstitute gewarnt. Betroffen wären insbesondere die Landesbanken. Gerade sie zählen aber zu den größten Immobilienfinanzierern in Deutschland.

Marcus Lemli, Geschäftsführungskollege von Quint bei JLL, geht davon aus, dass andere Institute, zum Beispiel große Genossenschaftsbanken und Sparkassen, in die Bresche springen werden. Sie seien durchaus in der Lage, Kreditvolumina bis 30 Mio. Euro zu stemmen. Für das Gros der Immobilientransaktionen werden gegenwärtig viel geringere Darlehenssummen benötigt.

Mit geschätzten zwölf Mrd. Euro würde der Umsatz weit hinter dem der Jahre unmittelbar vor der Boomphase 2005 bis 2007 bleiben. 20 Mrd. Euro seien "unrealistisch", sagte Quint. Klaus Franken, Chef des JLL-Wettbewerbers Catella, hatte vor wenigen Tagen gesagt: "Ein Transaktionsvolumen bis zu 20 Mrd. Euro ist möglich."

Franken stellte außerdem fest, dass nun auch wieder mehr Interesse an sogenannten B-Städten und B-Lagen bestehe, weil dort die Mietrenditen niedriger sind. Eine Einschätzung, die weder die JLL-Experten noch Karsten Junius, Leiter Immobilieresearch bei der Dekabank, teilen. "Spekulative Objekte mit Leerstand oder B-Lagen sind nach wie vor schlecht zu verkaufen. Transaktionen spielen sich lediglich im Bereich der Core-Objekte und A-Lagen ab", beobachtet Junius. Als Core-Immobilien bezeichnet die Branche moderne Büro- und Einzelhandelsgebäude in den Toplagen der deutschen Großstädte, die an Nutzer guter bis sehr guter Bonität voll vermietet sind.

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